Auf Freuds Couch
Freuds Psychoanalyse ist zwar schon etwas angejahrt, aber der 1920 uraufgeführte Dreiakter «Die tote Stadt» von Erich Wolfgang Korngold, der einen darauf basierenden therapeutischen Prozess zum Thema macht, hat an Attraktivität bis heute nichts eingebüßt. Für die Geschichte vom beziehungsunfähigen Einzelgänger Paul, der von der Fixierung auf seine tote Geliebte erst durch die Erscheinung eines geheimnisvollen Doubles befreit wird, schuf Korngold eine klangintensive, emotional aufgeladene Musik, wobei dem groß besetzten Orchester eine tragende Rolle zukommt.
In den raffinierten Farbmischungen zeigt sich der Einfluss von Strauss, doch der Tonfall ist bereits derjenige der desillusionierten Nachkriegszeit.
In der St. Galler Produktion betont das unter Otto Tausk hoch motiviert spielende Orchester die Schärfen und herben Dissonanzen der farbenreichen Partitur und dreht mächtig auf, was die Sänger bis zum Äußersten fordert. Doch Stefan Vinke in der Rolle des innerlich zerrissenen Paul verfügt über die nötige tenorale Strahlkraft, und die schauspielerisch gewandte Molly Fillmore als Marietta hält anstandslos mit; die Nebenrollen der Haushälterin und des Freundes Frank sind mit Susanne ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Max Nyffeler
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
Zwölf Tage nach dem 300. Geburtstag des Jubilars ist es wieder so weit: Zum fünften Mal wird in und um Nürnberg herum das Werk Christoph Willibald Glucks im Zentrum der Internationalen Gluck Opernfestspiele stehen. Den Auftakt im Nürnberger Schauspielhaus macht eine konzertante Aufführung der «Iphigénie en Aulide» in der Wagner-Fassung (Opéra Nizza, Philippe...
