Apropos... Zukunftsmusik
Herr Ott, Sie lassen alles machen: Volksmusik, Installationen, eine rätoromanische Lesung, Literaturopern und Projekte, die a priori zu beschreiben schwerfällt.
So kann man es zusammenfassen. Diese Vielfalt ist nicht Zufall, sie ist Absicht.
Unter Ihren Vorgängern Hans Werner Henze und Peter Ruzicka vertrat die Biennale einen Werkbegriff, suchte nach neuen, kanonfähigen Stücken, die auch außerhalb des Festivals in anderen Inszenierungen nachgespielt werden könnten.
Genau.
Ein Lieblingsspruch von Manos ist: Wir wollen das eine tun und das andere nicht lassen. Also sprich: Was unsere geschätzten Vorgänger aufgebaut haben, die klar das Staatstheater im Blick hatten und dem Opernrepertoire neue Werke zuführen wollten, wollen wir auf keinen Fall aufgeben. Aber das ist nicht alles, was für uns heute unter Musiktheater läuft. Uns war wichtig, die ganze Fülle der Ausformungen, was heute Musiktheater sein kann, zuzulassen, bei aller Widersprüchlichkeit der Formen.
Trägt Ihre Biennale dennoch etwas zum Kanon bei?
Ich würde sagen, die Hälfte der 15 Arbeiten, die wir präsentieren werden, kann anderswo wieder aufgenommen werden. Es gibt auch fünf, sechs Koproduktionen, die ohnehin nachgespielt ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Egbert Tholl
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...
Kann der Royal Opera noch Schlimmeres passieren als das Buhgebrüll, das letzten Sommer in Damiano Michielettos «Guillaume Tell» losbrach? Ja. Und zwar Gelächter. Man hatte diesmal die Abonennten vorsichtshalber gleich vor den sexuell expliziten, brutalen Szenen in Katie Mitchells Inszenierung der «Lucia di Lammermoor» gewarnt. Schon zeterten Zyniker, Covent Garden...
Konventionell und langweilig ist es geworden, das Opernleben in Moskau. Daran können weder die wenigen gelungenen Inszenierungen (Georgij Issaakjans «Schlaues Füchslein» im Kindermusiktheater und «La Bohème» in der Neuen Oper), noch hervorragende vokale Leistungen (Nadja Michael als Katherina Ismailowa im Bolschoi Theater) oder Ausgrabungen (Martinus «Ariane» im...
