Wo man singt, da lass dich ruhig nieder
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik entzogen ihm rasch jenen Humus, auf dem es für knapp ein Jahrhundert üppig gediehen war. Mit der neu erfundenen Schallplatte, dann auch im öffentlichen Liederabend erfolgte der Rückzug auf ein Kernrepertoire.
Doch auch dieses ist heute, abermals knapp 100 Jahre später – trotz herausragender Interpreten und zahlreicher Hoffnungsträger – außerhalb von Festivals beinahe zur Rarität geworden. Gründe und Folgen gehen dabei Hand in Hand: So dürfte es wohl weniger das mangelnde Interesse des Publikums sein, als vielmehr das verloren gegangene Verständnis für all die dichterischen Subtexte und musikalischen Zwischentöne, die den unendlich anmutenden Lied-Kosmos vielen so fern erscheinen lässt.
Insofern darf man von einer mutigen Tat sprechen, wenn sich der Heidelberger Frühling als ein programmatisch ohnehin abwechslungsreiches, nie ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Michael Kube
Auch das Schweizer Mittelland braucht ein Opernfestival. Deshalb stellt die Oper Schenkenberg im Aargau regelmäßig Freiluftserien auf die Beine – wobei nach «Carmen» 2010 und «Il trovatore» 2013 jetzt Verdis «Rigoletto» an der Reihe ist. Als Scena dient diesen Sommer die dramatisch gefältelte Glas-Beton-Fassade der Turnhalle Mülimatt in Brugge: Vom 11. bis 27....
High Heels, die auf dem Weg zum Kunstgenuss verschlammen, sind Geschichte. Ebenso Sommersakkos oder Abendkleider, die bei geschätzten 30 Grad Innentemperatur durchweichen. Mittlerweile sind auf Gut Immling die Wege gekiest und geteert, gegen sommerliche Kreislaufgefährdung hilft die Klimaanlage. Zumal die ehemalige Reithalle für Oper und Konzert ohnehin nicht mehr...
Ist Braunschweig das neue Bielefeld? Das Staatstheater zeigt sich seit einiger Zeit ähnlich neugierig wie das Bielefelder Haus unter John Dew, der in den 80er- und frühen 90er-Jahren die einstige Seidenweber-Stadt mit Opernentdeckungen in die Feuilletons auch überregionaler Blätter brachte. In Niedersachsen liegt der Schwerpunkt dabei auf angelsächsischen Themen –...
