Apropos ... Grenzerfahrungen

Holger Falk ist ein Spezialist für Neue Musik. Er war Lord Byron in «Diodati. Unendlich» von Michael Wertmüller, der wahnsinnige König in Peter Maxwell Davies’ «Eight Songs for a Mad King», der Dichter in Manfred Trojahns «Ein Brief» und der suizidale Troubadour in Kaija Saariahos «L’amour de loin». Im Mai verkörpert er an der Bayerischen Staatsoper den Titelhelden in «Thomas» von Georg Friedrich Haas

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Herr Falk, wird man nicht verrückt, wenn man auf der Bühne permanent in existenziellen Nöten steckt? Brauchen Sie manchmal psychologischen Beistand? (lacht) Das ist ja mal eine Frage! Aber im Ernst: Ich glaube, dadurch, dass ich mich immer schon für Grenzerfahrungen interessiere, suchen mich diese Rollen. 

Wie nähern Sie sich solchen Rollen? Ganz aktuell Thomas, der den Tod seines Lebenspartners miterlebt und verkraften muss.Bei guter Musik und gutem Text spricht es zu mir.

Die emotionalen Zustände und Konflikte schälen sich dann automatisch aus mir heraus und drängen nach Ausdruck. Die Vorinterpretation eines Zustandes durch Musik und Text evoziert bei mir den Ausdruck. Ich versuche erst gar nicht zu analysieren, weil bei einer Grenzerfahrung, die aus dem Unterbewussten kommt, die Ratio im Wege steht.

Einen Menschen zu spielen, dessen Lebenspartner auf der Intensivstation stirbt, ist nicht verstörend? Für mich ist es das überhaupt nicht. Die szenischen Proben haben allerdings noch nicht begonnen. Da kann natürlich noch Abenteuerliches passieren. Bei der Auseinandersetzung mit dem Stoff spielt das Schwulsein für mich gar keine Rolle. Es geht um einen Menschen, der einen geliebten ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Sabine Weber

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