Apropos ... Grenzerfahrungen
Herr Falk, wird man nicht verrückt, wenn man auf der Bühne permanent in existenziellen Nöten steckt? Brauchen Sie manchmal psychologischen Beistand? (lacht) Das ist ja mal eine Frage! Aber im Ernst: Ich glaube, dadurch, dass ich mich immer schon für Grenzerfahrungen interessiere, suchen mich diese Rollen.
Wie nähern Sie sich solchen Rollen? Ganz aktuell Thomas, der den Tod seines Lebenspartners miterlebt und verkraften muss.Bei guter Musik und gutem Text spricht es zu mir.
Die emotionalen Zustände und Konflikte schälen sich dann automatisch aus mir heraus und drängen nach Ausdruck. Die Vorinterpretation eines Zustandes durch Musik und Text evoziert bei mir den Ausdruck. Ich versuche erst gar nicht zu analysieren, weil bei einer Grenzerfahrung, die aus dem Unterbewussten kommt, die Ratio im Wege steht.
Einen Menschen zu spielen, dessen Lebenspartner auf der Intensivstation stirbt, ist nicht verstörend? Für mich ist es das überhaupt nicht. Die szenischen Proben haben allerdings noch nicht begonnen. Da kann natürlich noch Abenteuerliches passieren. Bei der Auseinandersetzung mit dem Stoff spielt das Schwulsein für mich gar keine Rolle. Es geht um einen Menschen, der einen geliebten ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Sabine Weber
An Carl Maria von Webers «Freischütz» hat sich schon so manche Regie-Koryphäe die Zähne ausgebissen. Ist es schon schwierig genug, die düster-romantisch rumorende Geschichte an sich plausibel zu erzählen, liegt die größere Herausforderung darin, sie in eine heutige Gültigkeit zu übertragen, zumal sich auch Webers Partitur mit ihren Ambivalenzen einer stringenten...
Wir wissen natürlich nicht, was genau sich da in der Einkaufstüte befand, als Papst Franziskus Anfang des Jahres einen römischen Schallplattenladen verließ. Dessen Besitzer gab lediglich bekannt, er habe seinem prominenten Kunden eine Schallplatte mit Musik von Mozart geschenkt. Wir hätten freilich für den klassische Musik liebenden Heiligen Vater schon das...
Schon das Vorspiel erzählt das ganze, traurig aktuelle Drama. Im doppelten, dann sogar dreifachen Pianissimo der gedämpften Violinen schwebt das ätherische Liebesmotiv der Aida aus dem Graben hoch hinauf in die Ränge der Semperoper: ein metrisch instabiles, unendlich einsames und beinahe körperloses Sehnen und Hoffen, fragil und vergeblich wie die Utopie einer...
