Ins Lyrische entschwebt

Christian Thielemann dirigiert an der Dresdner Semperoper erstmals Verdis «Aida»

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Schon das Vorspiel erzählt das ganze, traurig aktuelle Drama. Im doppelten, dann sogar dreifachen Pianissimo der gedämpften Violinen schwebt das ätherische Liebesmotiv der Aida aus dem Graben hoch hinauf in die Ränge der Semperoper: ein metrisch instabiles, unendlich einsames und beinahe körperloses Sehnen und Hoffen, fragil und vergeblich wie die Utopie einer Liebe in Zeiten eines brutalen Krieges über alle Feindgrenzen hinweg. Selten hat man die Verlorenheit dieses grazilen Streicher-Themas so anrührend zart gehört wie an diesem Premierenabend.

Wenn dann die Celli mit der absteigenden Linie des Priestermotivs einsetzen und die satztechnische Maschinerie der imitatorischen thematischen Arbeit sich anschickt, das haltlos im Raum schwebende Liebesmotiv auf den stabilen Boden symphonischer Gepflogenheiten zu holen, dann klingt dieser Verdi ein wenig wie Brahms.

Christian Thielemann ist bekanntlich vor allem ein Liebhaber des deutschen Repertoires und unternimmt eher selten Ausflüge ins italienische Fach. An diesem Abend dirigiert er tatsächlich seine erste «Aida». Wenn er aber mit der prächtig spielenden Staatskapelle Dresden in dieser Oper ein heimliches Musikdrama entdeckt, dann ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Julia Spinola

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