Apropos... erste Liebe
Frau Damrau, für Ihr letztes Rollendebüt, Donizettis Lucia an der Met, haben Sie bei Nervenärzten über den Wahnsinn recherchiert. Bei wem haben Sie sich für Ihre Sophie erkundigt?
Zum Glück muss man für Sophie keine großen Forschungen anstellen. Das ist einfach ein kleines Mädchen aus neureicher Familie, das aus dem Kloster kommt und gegen seinen Willen verheiratet werden soll.
Damit befindet sie sich eigentlich in der gleichen Situation wie Lucia.
Schon, aber für mich ist die Sophie viel jünger und in ihrem Verhalten sehr viel freier.
Ich habe das Gefühl, dass sie das aufbrausende Temperament von ihrem Vater geerbt hat. Und am Schluss kann sie für sich selbst und ihre Gefühle einstehen. Das fällt Lucia viel schwerer.
Sophie erlebt in dem Stück ihre erste Liebe. Werden eigene Erfahrungen wieder lebendig, wenn man so eine Rolle singt?
Natürlich schöpft man aus der eigenen Lebenserfahrung – bis zu einer gewissen Grenze. Schließlich habe ich ja auch Lucia gesungen, ohne vorher jemanden umgebracht zu haben. Sophie hat allerdings enormes Glück: Sie findet auf Anhieb den Richtigen. Das ist mir leider nicht passiert – ich musste etwas länger warten.
Das klingt jetzt eher nach der Gefühlslage ...
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