Adoleszenz auf Abwegen
Eines kann man über den neuen «Ring» an der Bastille schon jetzt sagen: Beim französischen Publikum stößt er auf vehemente Ablehnung. Wie schon bei «Rheingold» und «Walküre» gab es auch im «Siegfried» eine von Wagner eigentlich nicht vorgesehene Rolle, den Buh-Chor. Dabei bietet Günter Krämers Inszenierung keinerlei echte Provokationen, vielmehr werden die Stärken und Schwächen seiner Deutung immer deutlicher.
«Rheingold» war eine manchmal etwas unkonzentrierte Verquickung ästhetisierten Hochglanztheaters mit eingestreuten Emblemen deutscher Geschichte; die «Walküre» führte beide Ebenen in überzeugender Weise zusammen. Leider stellten sich erneut Unschärfen ein.
Wenn sich der blonde Zottel Siegfried und sein keifender (blond perückter) Ziehvater Mime zanken, dann sieht man auf der linken Bühnenseite eine Kolonie Gartenzwerge nebst pittoresker Windmühle; rechts steht ein Freiluftgewächshaus mit Wärmelampen. Im Hintergrund hängen grüne Lamellen, seltsamerweise gibt es noch einen Fahrstuhl, der allerdings einzig dazu dient, den von Siegfried gefangenen Bär an einen unbestimmten Ort zu schicken. Dies ist ein Teil jenes mäßigen Kasperltheaters, das den ersten Akt beherrscht. Erst als ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jörn Florian Fuchs
Als «das größte gesellschaftliche Ereignis seit der englischen Krönung» wurde die Wiedereröffnung der im Krieg zerstörten Wiener Staatsoper von Publikum und Presse wahrgenommen. Prominenz aus aller Welt war angereist, und das noch in den Kinderschuhen steckende Fernsehen übertrug live, als am 5. November 1955 im neu aufgebauten Theater der Vorhang zum «Fidelio»...
Zwei unterschiedlich große, weiße Kreise werden auf die dunkle Bühnenwand projiziert, ein schwarzer Monolith bricht auf und offenbart im Inneren einen Diamanten. Robert Wilson schafft Bilder von rätselhafter Schönheit. Er verführt mit seinem fremden Blick. Er dehnt die Zeit und öffnet den Raum. Es verwundert, dass nach dieser grandiosen «Norma»-Premiere lautstarke...
«Gar viel und schön ward hier in dieser Halle von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen.» Den Begrüßungsworten des Landgrafen aus dem zweiten Akt von «Tannhäuser» möchte man hinsichtlich Bayreuths ein Fragezeichen hinzufügen: Viel ja, schön öfter – doch auch am besten? Dass sich auf dem Grünen Hügel die jeweils herausragenden Wagner-Sänger einer Generation...
