Bloß keine Langeweile
Mister Turnage, Sie haben vor rund zehn Jahren einen kurzen Beitrag für «Opera» geschrieben...
Wirklich? Daran kann ich mich gar nicht erinnern...
Die «Erzähl»-Oper, hieß es da, sei ein Auslaufmodell, eine Sackgasse. Viele dachten damals, «The Silver Tassie» nach Sean O’Casey sei die letzte Turnage-Oper. Jetzt haben Sie es doch wieder gemacht...
Das ist schon verrückt (lacht). Ich konnte mir lange nicht vorstellen, noch mal eine Oper zu schreiben. Geschweige denn eine, die eine Geschichte erzählt. Mit klar definierten Figuren, großem Chor und Orchester.
Mich interessierten offene Formen, eine spielerische Befragung traditioneller Muster und Techniken. Mir schwebte etwas vor, was ich in «Rosa» von Louis Andriessen und Peter Greenaway fand – ein Stück mit magisch wucherndem Plot und aufregender Musik, fantastisch, surreal, reflektiert und doch absolut zugänglich. Leider sind mir nie die richtigen Partner für ein solches Projekt über den Weg gelaufen.
«Anna Nicole» ist eine klassische «Erzähl»-Oper...
Zuerst wollten wir den Stoff stärker auffächern und verfremden. Zum Beispiel sollte ein altes Ehepaar aus dem Publikum heraus die Vorgänge auf der Bühne kommentieren. Der Mann sollte am ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....
Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.
David McVicar gelangt an der...
Rückblende: Als Kirsten Harms im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin Alberto Franchettis 1902 uraufgeführte und nach einigen Jahren vergessene Revolutionsoper «Germania» wieder auf die Bühne brachte, fiel das kritische Urteil in der Tagespresse vernichtend aus. Zu den wenigen Stimmen, die damals widersprachen, gehörte diese Zeitschrift (siehe OW 12/2006) –...
