Zwischen Stil und Style
Er kam und sah. Von Siegen freilich konnte die Rede nicht sein. Dieser Cesare, ein junger Mensch in Windjacke und Freizeithosen, sah eher nachdenklich ins Publikum, und auch sein «Presti omai l’egizia terra le sue palme al vincitor» klang nicht nach Siegerpose, sondern – bei aller lebhaften Mimik – eher distanziert.
Dies alles passierte im April bei Händels «Giulio Cesare» im Theater an der Wien, und die Zögerlichkeit der Titelfigur in der einnehmenden Gestalt von Marijana Mijanovic mag wohl an Christof Loys Regie gelegen haben, die aus der theatralischen Vielfalt dieses Stücks die Ebene der Melancholie herauspräparierte. Doch blieben Zweifel, die auch das nun erschienene Händel-Recital der serbischen Altistin nicht aus dem Weg zu räumen vermag.
Als Marijana Mijanovic vor sieben Jahren unter William Christie beim Festival in Aix-en-Provence als Penelope in Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» debütierte, überschlugen sich Presse wie Publikum. Ihre Interpretationen von Partien Monteverdis, Händels und Mozarts galten als sensationell, man las von enormer Expressionsbreite bis hin zum Ausdruck bewegendsten Schmerzes. Speziell ihr androgynes (mich ein wenig an Jochen Kowalski ...
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