Zeit des Aufbruchs
Ein kompakter Quader mit großen gläsernen Fensterfronten, daneben ein gedrungener Ziegelbau, an dem sich eine wacklig wirkende Feuertreppe herabschlängelt – so könnten auch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad oder ein Einwohnermeldeamt aussehen. Höchstens das rot getünchte Stück Weg, das über den zementierten Vorplatz zum Haupteingang führt und mit ausreichend viel Phantasie als roter Teppich gelesen werden kann, erinnert daran, dass an diesem Ort ein Theater steht.
«Wenn hier der TÜV durchgehen würde, müssten die für eine weitere Betriebsgenehmigung vermutlich schon mehr als ein halbes Auge zudrücken», erzählt Chefdramaturg Stephan Knies. Es habe undichte Stellen im Dach gegeben, die mehrfach nachgebessert werden mussten, und durch die dünne Ziegelwand des Bühnenturms würde es vor allem in den Wintermonaten kalt-feucht durchziehen.
Das Volkstheater Rostock hat seinen Sitz in einem Haus, das bereits mehrere Leben hinter sich hat: Ursprünglich im Jahr 1908 als Tanzlokal mit dem leicht irreführenden Namen «Philharmonie» gegründet, wurde es später als Gewerkschaftshaus genutzt, bevor 1933 die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront Quartier bezog. Als das historische ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Reportage, Seite 80
von Anna Schors
Aus diesen Mauern gibt es kein Entkommen. In Àlex Ollés Inszenierung von Wolfgang Fortners «Bluthochzeit» blickt man in ein steinernes Verlies. Die hohen Wände reichen fast bis an den Schnürboden heran. Unten sitzen Mutter und Sohn an einer langen Tafel. Genügend Platz für eine große Familie, doch die beiden leben allein wie in einer Gruft.
Die Oper beruht auf dem...
Siebenundzwanzig Takte gewähren nicht gerade viel Zeit und Raum, so man eine dichtgewebte Atmosphäre kreieren möchte. Giuseppe Verdi jedoch genügten sie, um das Meer vor Genua in klangmalerische, fast impressionistische Töne zu fassen – wie es wogt und schäumt, sanft hin- und herschaukelt in der Abendsonne, wie es erst vorsichtig (pianissimo), später dann, ab Takt...
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, auch der ersten Spielzeit des neuen Weimarer Intendantentrios – Chef -regisseur Valentin Schwarz, Operndirektor Timo Jansen sowie der ebenfalls inszenierende Geschäftsführende Direktor Dorian Dreher. Jetzt kommt es darauf an, was die drei Herren daraus machen. Wollen sie zaubern? Eher nicht, möchte man meinen nach der Premiere...
