Identitäten, Intensitäten
Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth, 1968 in der Steiermark geboren, verfolgt seit Langem und erklärtermaßen die Absicht, dass es ihr, wenn sie die Kunstform Oper ansteuert, nicht darum zu tun ist, die bewährte «Synthese» der Künste zu realisieren, und auch nicht darum, irgendeine Form des Gesamtkunstwerks zu suchen; sie strebte immer schon zu etwas Komplizierterem, Eigenem, Persönlichem.
Und sie will (sich und wohl auch dem Publikum) Raum schaffen «für die schöpferische Phantasie, um meiner Sprachlosigkeit über die Irrationalität des menschlichen Daseins zu entkommen, damit ich diese Irrationalität in gewisser Weise für mich enthüllen kann, auf sie einschlagen kann». Dafür benötige sie «aber doch auch eine ganze Portion Ungehorsam und Wut». Für das Musiktheater ist dieses 1994 formulierte Credo eine nachgerade «schlagende» Devise. Das mag als Beleg, vielleicht sogar als Ausrede dafür dienen, dass bisher, in den sieben Jahren nach der Uraufführung von «Orlando» 2019 an der Wiener Staatsoper, noch keines der vielen Opernhäuser in Deutschland Ehrgeiz, Lust oder das Können gehabt hat, das Stück, dessen Grundlage Virginia Woolfs gleichnamiger Roman von 1928 bildet, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Wolfgang Schreiber, Jürgen Otten, Markus Thiel
Die Spezialdisziplin des Regisseurs Volker Lösch besteht darin, Opernstoffe für politische Aussagen umzufunktionieren. Nach Beethovens «Fidelio» und der Kurdenproblematik sowie Weills «Mahagonny» mit der Flutkatastrophe im Ahrtal ging es beim «Freischütz», seiner dritten Bonner Operninszenierung, um den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg einer rechtsextremen Partei....
Ein kompakter Quader mit großen gläsernen Fensterfronten, daneben ein gedrungener Ziegelbau, an dem sich eine wacklig wirkende Feuertreppe herabschlängelt – so könnten auch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad oder ein Einwohnermeldeamt aussehen. Höchstens das rot getünchte Stück Weg, das über den zementierten Vorplatz zum Haupteingang führt und mit ausreichend...
Ist das ein Handlungsballett, eine Tanzphantasie oder doch eine typische Operninszenierung, was Wim Vandekeybus auf die Bühne in Antwerpen bringt? In jedem Fall ist es Musiktheater, schließlich wird die Geschichte von Bizets «Carmen» mit Gesang erzählt, nur eben ganz anders als sonst und ohne jeden Folklorismus. Bei Vandekeybus geht es um Archaik, Mystik, um...
