Mehr als eine quantité négligeable

In seinem Buch «Von Bayreuth nach Auschwitz» begibt sich Anno Mungen auf Spurensuche zur Verbindung von Oper, Politik und Massenmord im Dritten Reich

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Gestandene Wagnerianer werden sich über Anno Mungens neues Buch gewiss noch weit mehr erregen als 2002 über Brigitte Hamanns monumentale Monographie «Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth». Der Leiter des zur Universität Bayreuth gehörigen Thurnauer Forschungsinstituts für Musiktheater geht in der Spurensuche zum Zusammenhang von Kultur und Politik im Dritten Reich einen entscheidenden Schritt weiter als Hamann und fragt, was den nationalsozialistischen Staatskomponisten Wagner mit dem Massenmord in den Konzentrationslagern verbindet.

Mit dem englischen Kunsthistoriker Peter Adam ist Mungen der Überzeugung: «Man kann die Kunst des Dritten Reiches nur durch die Linse von Auschwitz erfassen.» Was dabei in den Blick gerät, ist eine in den Fakten zwar höchst diffuse, allemal aber ernüchternde und in zahllosen Statements von Beteiligten erschütternde Gemengelage.

Mungen verfolgt gleichermaßen die institutionellen Voraussetzungen wie die individuellen Vernetzungen, aber auch das ideologische Geflecht, das Wagner eine politische Wirkung verschaffte, wie sie nie zuvor ein Künstler besaß. Sechs Skizzen gelten exemplarischen Protagonisten: Hitler, dessen frühe Wagner-Begeisterung der ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 85
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