Wo die Akazie blüht
Persönlich getroffen haben sie sich nie. Doch das war vermutlich auch gar nicht nötig – die Verse des einen waren für den anderen Inspiration genug. Und so musste Mieczysław Weinberg nicht lange überlegen (und auch nicht lange suchen – die in Frage kommenden lyrischen Werke standen in seiner Bibliothek), als er 1940 seine ersten, einer unbekannten Schönheit gewidmeten Lieder komponierte. Julian Tuwim erschien ihm unzweifelhaft als der richtige Dichter dafür.
In diesen auffällig kurzen, auf gleichsam ostinatem Boden wandelnden Stücken findet sich jedenfalls jener melancholisch-elegische Grundton, den Weinberg im Grunde ein ganzes Komponistenleben lang pflegte – wie wir wissen, mit gutem Grund.
«Akacje» (Akazie) heißt der sechsteilige Zyklus, und es wohnt ihm sowohl eine atmosphärische Dichte und Klangfarbenpracht als auch schon jener aphoristisch-zugespitzte, rhapsodische Geist inne, wie er uns später in den Bühnenwerken des polnisch-jüdischen Komponisten entgegentritt. In der edlen wie gefühlvollen Interpretation von Joanna Klisowska und ihrer Klavierbegleiterin Katarzyna Neugebauer vermag sich diese Ambivalenz schön zu entfalten. Besonders gut gelingt das sechste und letzte Lied ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 65
von Olga Myschkina
Frau Yoncheva, können wir über Bilder, Imagos und Wahrnehmungen reden?
Ja, natürlich!
Schön. Am Karlsplatz in Wien, gegenüber des Ausstellungsgebäudes der «Secession», hing eine Zeitlang das riesige Werbeplakat eines ubiquitären Uhrenherstellers mit Ihrem Konterfei. Haben Sie sich in der Person, die dort abgebildet war, wiedererkannt? Oder haben Sie dieses «Bild»...
Die Wissenschaft tappt im Dunkel. Wobei es sich hier nicht etwa um Phänomene der Quantenphysik handelt, sondern um Musikologie und konkret um eine Oper des Barock, um «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (geboren um 1640 in Venedig, gestorben etwa 1720 in Paris). Das Stück beschreibt eine Episode aus dem Leben des Herkules und war Louis XIV., dem gottgleichen König,...
Lassen wir das Reizwort «Musical» einmal beiseite. Ja, es stimmt: Matthias Davids ist ein Fachmann für dieses Genre, und er leitet das dafür zuständige Ensemble am Landestheater Linz. Dass er für eine Inszenierung der «Meistersinger» nach Bayreuth eingeladen wurde, hat deshalb für Verwunderung, auch für Argwohn gesorgt. Doch lässt sich der Abend, der letztlich...
