Wo die Akazie blüht
Persönlich getroffen haben sie sich nie. Doch das war vermutlich auch gar nicht nötig – die Verse des einen waren für den anderen Inspiration genug. Und so musste Mieczysław Weinberg nicht lange überlegen (und auch nicht lange suchen – die in Frage kommenden lyrischen Werke standen in seiner Bibliothek), als er 1940 seine ersten, einer unbekannten Schönheit gewidmeten Lieder komponierte. Julian Tuwim erschien ihm unzweifelhaft als der richtige Dichter dafür.
In diesen auffällig kurzen, auf gleichsam ostinatem Boden wandelnden Stücken findet sich jedenfalls jener melancholisch-elegische Grundton, den Weinberg im Grunde ein ganzes Komponistenleben lang pflegte – wie wir wissen, mit gutem Grund.
«Akacje» (Akazie) heißt der sechsteilige Zyklus, und es wohnt ihm sowohl eine atmosphärische Dichte und Klangfarbenpracht als auch schon jener aphoristisch-zugespitzte, rhapsodische Geist inne, wie er uns später in den Bühnenwerken des polnisch-jüdischen Komponisten entgegentritt. In der edlen wie gefühlvollen Interpretation von Joanna Klisowska und ihrer Klavierbegleiterin Katarzyna Neugebauer vermag sich diese Ambivalenz schön zu entfalten. Besonders gut gelingt das sechste und letzte Lied ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 65
von Olga Myschkina
Seit nunmehr einem Dreivierteljahr darf sich Chemnitz Kulturhauptstadt Europas 2025 nennen. Über 200 Projekte laden das Publikum zu Besuch und breiter Beteiligung ein – mit großem Erfolg. Auch die Oper Chemnitz trägt zu der ungeheuren Programmfülle bei und bietet eines der Highlights des Kulturhauptstadtjahres. Zur Eröffnung der Saison 2025/26 bringt sie das...
Die beiden Herren, um es mal sehr vorsichtig zu sagen, mochten einander nicht. Zu unterschiedlich waren die Naturelle von Johannes Brahms und Hugo Wolf, wobei wohl niemandem entgehen konnte, dass dem Älteren von ihnen bei aller Melancholie zugleich eine hedonistische Lebenszugewandtheit eignete, während der Jüngere schon recht früh von einer Lebensmüdigkeit...
Die Handlung des «Aschenputtel»-Märchens ist hinlänglich bekannt, doch die Wendung, die der Komponist Gioacchino Rossini ihr verleiht, ist interessant: Er fügt die Figur des Alidoro ein, von dem man nicht so genau weiß, ob er «nur» ein philosophierender Lehrer und Erzieher des jugendlichen Prinzen Don Ramiro ist oder ob mehr dahintersteckt. Jochen Schönleber,...
