Der Sinn des Lebens
Was in Salzburg die Felsenreitschule an Herausforderung bedeutet, ist beim Festival d’Avignon der ehemalige Papstpalast. Schon die schieren Dimensionen des Aufführungsortes haben manchen Künstler, Regisseur, Ausstatter verzweifeln – und scheitern lassen. Während die Felsenreitschule allerdings – bei geschlossenem Dach – ein geschützter und nicht nur lichttechnisch gut bespielbarer Raum ist, herrscht in Avignon erst einmal pure, steinerne Nacktheit. Und viel frische Luft – plein air.
So groß die Bühne, so groß auch das Auditorium, man sitzt auf einer Tribüne und schaut quasi von oben herab aufs Geschehen. Das hat fürs Publikum etwas Demokratisches, kann aber leicht zur Falle für die Regie werden.
In der aktuellen Ausgabe des Theaterfestivals, dem mit Abstand größten und wichtigsten weltweit, hatte die kapverdische Choreographin und Regisseurin Marlene Monteiro Freitas diese Mammutaufgabe übernommen. Und sich damit letztlich doch etwas übernommen. Ihr Stück «NÔT» (zu Deutsch: Nacht) wurde als Reflexion angekündigt über Scheherazade und ihre Überlebensstrategie, einem üblen Herrscher allnächtlich Geschichten zu erzählen, damit dieser «am Ball» bleibe und sie nicht töte. Wer nun ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 50
von Jörn Florian Fuchs
Als der Traum vom eigenen Festspielhaus Realität zu werden begann, bekamen Wagner und seine Frau Cosima ein wenig kalte Füße. «Sehr ergriffen» sei Wagner vom Bauplatz zurückgekehrt, schrieb Cosima ins Tagebuch, nachdem ihr Mann die Arbeiten am gewaltigen Fundament des Bühnengebäudes begutachtet hatte, «nun sei er verpflichtet, nun sei er nicht mehr frei, […] er...
Frau Yoncheva, können wir über Bilder, Imagos und Wahrnehmungen reden?
Ja, natürlich!
Schön. Am Karlsplatz in Wien, gegenüber des Ausstellungsgebäudes der «Secession», hing eine Zeitlang das riesige Werbeplakat eines ubiquitären Uhrenherstellers mit Ihrem Konterfei. Haben Sie sich in der Person, die dort abgebildet war, wiedererkannt? Oder haben Sie dieses «Bild»...
Sie haben wahrhaftig einen Leuchtturm oben auf die Klippe gesetzt. Und daneben hat die Bühnenbildnerin Momme Hinrichs eine ganze Reihe von Fischerhäuschen gebaut, ein Kirchlein auch, augenzwinkernd ein wenig perspektivenverschoben. Hier könnte man ein Küstendrama wie «Peter Grimes» spielen, aber natürlich auch Wagners «Fliegenden Holländer», und die monumentale...
