Der Sinn des Lebens

Kunstvolle Verstörung, Kontemplation, Meditation: Das «Festival d’Avignon» balanciert auf den Schnittlinien von Musiktheater, Performance und Tanz – Abstürze inbegriffen

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Was in Salzburg die Felsenreitschule an Herausforderung bedeutet, ist beim Festival d’Avignon der ehemalige Papstpalast. Schon die schieren Dimensionen des Aufführungsortes haben manchen Künstler, Regisseur, Ausstatter verzweifeln – und scheitern lassen. Während die Felsenreitschule allerdings – bei geschlossenem Dach – ein geschützter und nicht nur lichttechnisch gut bespielbarer Raum ist, herrscht in Avignon erst einmal pure, steinerne Nacktheit. Und viel frische Luft – plein air.

So groß die Bühne, so groß auch das Auditorium, man sitzt auf einer Tribüne und schaut quasi von oben herab aufs Geschehen. Das hat fürs Publikum etwas Demokratisches, kann aber leicht zur Falle für die Regie werden.

In der aktuellen Ausgabe des Theaterfestivals, dem mit Abstand größten und wichtigsten weltweit, hatte die kapverdische Choreographin und Regisseurin Marlene Monteiro Freitas diese Mammutaufgabe übernommen. Und sich damit letztlich doch etwas übernommen. Ihr Stück «NÔT» (zu Deutsch: Nacht) wurde als Reflexion angekündigt über Scheherazade und ihre Überlebensstrategie, einem üblen Herrscher allnächtlich Geschichten zu erzählen, damit dieser «am Ball» bleibe und sie nicht töte. Wer nun ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 50
von Jörn Florian Fuchs

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