Der Sinn des Lebens
Was in Salzburg die Felsenreitschule an Herausforderung bedeutet, ist beim Festival d’Avignon der ehemalige Papstpalast. Schon die schieren Dimensionen des Aufführungsortes haben manchen Künstler, Regisseur, Ausstatter verzweifeln – und scheitern lassen. Während die Felsenreitschule allerdings – bei geschlossenem Dach – ein geschützter und nicht nur lichttechnisch gut bespielbarer Raum ist, herrscht in Avignon erst einmal pure, steinerne Nacktheit. Und viel frische Luft – plein air.
So groß die Bühne, so groß auch das Auditorium, man sitzt auf einer Tribüne und schaut quasi von oben herab aufs Geschehen. Das hat fürs Publikum etwas Demokratisches, kann aber leicht zur Falle für die Regie werden.
In der aktuellen Ausgabe des Theaterfestivals, dem mit Abstand größten und wichtigsten weltweit, hatte die kapverdische Choreographin und Regisseurin Marlene Monteiro Freitas diese Mammutaufgabe übernommen. Und sich damit letztlich doch etwas übernommen. Ihr Stück «NÔT» (zu Deutsch: Nacht) wurde als Reflexion angekündigt über Scheherazade und ihre Überlebensstrategie, einem üblen Herrscher allnächtlich Geschichten zu erzählen, damit dieser «am Ball» bleibe und sie nicht töte. Wer nun ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 50
von Jörn Florian Fuchs
Angesichts der rassistischen Einwanderungspolitik von Donald Trump hält Regisseur Till Kleine-Möller Bernsteins «West Side Story» von 1957 für brandaktuell. Das Motto «Black Lives Matter» ist jedenfall ganz offensichtlich durch die aus Puerto Rico eingewanderten «Sharks» in schwarzen Lettern auf eine Plastikplane an einem Nachbau des Bethesda-Brunnens im New Yorker...
In den Rang eines Sympathieträgers hat es der Dirigent Karl Böhm nie geschafft. Achtung, Interesse, Furcht: ja, Liebe: kaum. Böhm hat mit seiner Person viel dazu beigetragen, begonnen beim bereitwilligen Mitläufertum während der Nazi-Zeit (ein Wort des Bedauerns hat er dazu nie gefunden), bis hin zu seinem Ruf als Probenteufel. Kameramitschnitte von Proben Karl...
Etwas ist anders als sonst. Etwas, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt, aber in vielen Momenten spürbar wird, mal in einem vertraulichen Gespräch, mal beim Gang in eines der Theater der Stadt, mal in dem Augenblick, wenn sich der Vorhang hebt. Und mal einfach so: Der Chef fehlt. Und damit Hirn, Herz und Seele des Festivals d’Aix-en-Provence. Pierre...
