Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Lassen wir das Reizwort «Musical» einmal beiseite. Ja, es stimmt: Matthias Davids ist ein Fachmann für dieses Genre, und er leitet das dafür zuständige Ensemble am Landestheater Linz. Dass er für eine Inszenierung der «Meistersinger» nach Bayreuth eingeladen wurde, hat deshalb für Verwunderung, auch für Argwohn gesorgt. Doch lässt sich der Abend, der letztlich dabei herauskommt, kaum einfangen, wenn man das Etikett vom Musical im Kopf herumträgt.
Gewiss: Es gibt ein paar durchchoreographierte Szenen, und an die knalligen Farben der Festwiese und die Überdeutlichkeit mancher Kostüme muss man sich gewöhnen, zumal im Ambiente des Festspielhauses. Aber im Grunde sind es doch eher alte Theatertricks, die von der Regie ausgespielt werden. Es gibt immer eine Parallelhandlung, der Schauwert wird animiert und befriedigt. Hände greifen unter dem geschlossenen Vorhang durch, der damit zum Requisit und augenzwinkernd zur Brecht-Gardine erklärt wird. Sekunden vor Schluss muss eine Pointe zünden. Theater also auch als Schaubude.
Das ist bei den «Meistersingern» nicht neu. Wieland Wagner hatte die ironische Distanz schon 1963 in seiner Inszenierung formuliert und kitschig gewandete Musen auf die ...
Bayreuther Festspiele 2026 – Die Pläne zum 150. Jubiläum
Im Festspielhaus wird erstmals «Rienzi» gespielt – ein Plan, den schon Wieland Wagner mit sich herumtrug und dann doch verwarf. Der Musikwissenschaftler Markus Kiesel erstellt eine Fassung, die Überlegungen von Wieland und auch von Cosima Wagner einbezieht. Von Richard Wagner selbst gibt es keine final autorisierte Version, auch ist das Autograph verschollen. Nathalie Stutzmann wird dirigieren, Andreas Schager singt die Titelpartie, Gabriela Scherer die Irene, Jennifer Holloway die Hosenrolle des Adriano, Michael Nagy den Paolo Orsini. Regie führen Magdolna Parditka und Alexandra Szemeredy, die derzeit in Saarbrücken einen «Ring» erarbeiten. Neun Vorstellungen sind angesetzt. Eröffnet wird die Jubiläumssaison, einer Bayreuther Tradition folgend, mit Beethovens 9. Symphonie, dirigiert von Christian Thielemann, der auch drei «Ring»-Zyklen leitet. Gezeigt wird keine Inszenierung der Tetralogie im herkömmlichen Sinn. Stattdessen kommt digitales Storytelling zum Einsatz, bei dem die Rezeptionsgeschichte des «Rings» im Mittelpunkt stehen und KI als «bildgebende Kraft» wirken soll, wie es in der Ankündigung heißt. Inhaltlich verantwortlich dafür ist ein Team um Marcus Lobbes von der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund. Michael Volle singt den Wotan, Camilla Nylund die Brünnhilde. Klaus Florian Vogt ist nicht nur als Siegmund und Siegfried dabei, sondern debütiert auch als Loge. Mit dem Theater Dortmund wird die Uraufführung «Brünnhilde brennt» koproduziert, ein Werk von Bernhard Lang (Musik) und Michael Sturminger (Libretto). Das neue Stück wird an drei Abenden im Friedrichsforum von Bayreuth (der umgebauten Stadthalle) gespielt, ab April 2027 laufen die Vorstellungen in Dortmund. Die Planungen für ein ausgedehntes Education-Programm sind noch nicht veröffentlicht, weil noch nicht komplett finanziert. Eine entscheidende Personalie wurde im Vorfeld der Festspiele 2025 bekannt gegeben: Den neu geschaffenen Posten des «General Managers» übernimmt Matthias Rädel, derzeit Leiter des Controllings und stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Oper Berlin. ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Stephan Mösch
Der Epilog bildet den Anfang. «Die Zeit wird kommen», singen die drei Schwestern, «für uns beginnt ein neues Leben». Sie singen es in die Leere einer fiktiven Zukunft – und an diesem Abend mit drei hohen Männerstimmen, die sich so schön, selbstversunken und melancholisch ineinander ranken, als hätte Peter Eötvös das Frauen-Terzett aus dem «Rosenkavalier» einfach...
Sein bildhauerisches und malerisches Œuvre ist hinreichend gewürdigt worden – kaum ein Kunstliebhaber kommt umhin, die Fresken dieses Künstler-Genies in der Sixtinischen Kapelle und an vielen anderen (sakralen) Stätten staunend zu bewundern. Dass Michelangelo di Lodovico Buonarroti im Verlauf seines fast 90-jährigen schöpferisch schier un -erschöpflichen Lebens...
Die letzten Tage wurde nochmal alles nach vorn geworfen. Zuvorderst der Intendant: Jonas Kaufmann jodelnd auf einer Almwiese oder plaudernd zwischen namentlich nicht genannten Kolleginnen und Kollegen; Barbara Hannigan staunend am Erler Wasserfall; schließlich der Regisseur selbst, der seine Protagonistin mit einem Ferrari vergleicht. Alles Social-Media-Videos,...
