Wer kann, der kann

Seit es Regie im modernen Sinn gibt, wird darüber gestritten, was sie darf, soll und sogar muss. Angesichts der jüngsten Entwicklung stellt sich die entscheidende Frage anders: Was müssen Regisseure können, um der Oper gerecht zu werden?

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Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche Singspiele. Wenn schon nicht mit den Augen hören, dann doch wenigstens durch die Ohren sehen, scheinen sich die Zeitgenossen gedacht zu haben.

Betörendere Musik als die zu einer Perlenkette gereihten Arien des «Trionfo» hat Händel auch später nicht geschrieben. Die Handlung ist zu einer lehrhaften Allegorie eingedampft: Die von Piacere (Vergnügen) verführte Bellezza (Schönheit) lässt sich am Ende von Tempo (Zeit) und Disinganno (Enttäuschung) reumütig bekehren.

Ein szenischer Mehrwert scheint aus dieser moralischen Bußpredigt nicht zu schlagen. Wer so denkt, hat die Rechnung allerdings ohne Calixto Bieito gemacht. Der katalanische Regieberserker entfesselt zu Händels sublimer musikalischer Allegorie über die Vergänglichkeit alles Irdischen – nach bewährter Manier, man erinnere sich an seine Berliner Inszenierung von Puccinis ...

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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Einspruch, Seite 50
von Uwe Schweikert

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