Die neue Bescheidenheit oder: Was bleibt von 2010/2011?
Das gab es noch nie. Erstmals wurde bei der jährlichen Kritikerumfrage dieser Zeitschrift ein Opernhaus des Jahres gewählt, das außerhalb des deutschen Sprachraums steht: das Théâtre Royal de la Monnaie. Die Entscheidung für Brüssel zeigt: Wichtiger als alles Marketing ist das geistige Profil eines Hauses. Solange die künstlerische Substanz dünn bleibt, nützt die schönste Verpackung nichts. Eine Binsenweisheit.
Und doch: Wo trifft man auf einen Intendanten, der den Dienst an der Sache so überzeugend und uneitel vorlebt wie Peter de Caluwe? Seit 2007 steht er an der Spitze von Belgiens größtem Opernhaus: ein Mann mit klaren Überzeugungen und langem Atem, der lieber im Hintergrund agiert, mit Künstlern und Mitarbeitern diskutiert, statt sich vor laufender Kamera zu produzieren. Er weiß, dass spannendes Musiktheater am besten im Dialog entsteht. Und hat ein Händchen, wenn es darum geht, für ein Projekt das richtige Team zusammenzustellen (ab Seite 4). Bei Meyerbeers Grand Opéra «Les Huguenots», die Peter de Caluwe zum Ende seiner vierten Spielzeit in nie gehörter Vollständigkeit präsentierte, ist ihm dies geradezu exemplarisch gelungen. Jahrelang hatten sich Marc Minkowski und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Opernhaus des Jahres
Aufführung des Jahres
Sänger des Jahres
Uraufführung des Jahres
Wiederentdeckung des Jahres
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Bilanz, Seite 86
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Herr Bermbach, Ihr Band über die Wagner-Rezeption in Deutschland bildet den Abschluss einer Trilogie. War das von Anfang an so geplant?
Meine erste Buch-Veröffentlichung zu Wagner war 1994 ein Taschenbuch: «Der Wahn des Gesamtkunstwerks». Entstanden ist es während eines Freisemesters innerhalb von drei Monaten. Nach dessen Abschluss war mir schnell klar geworden,...
Eine so vielseitige Spielzeit hat selbst Gerard Mortier in Brüssel nur selten hinbekommen: Neben der Uraufführung von Hosokawas «Matsukaze» (szenisch betreut von Sasha Waltz) sorgte La Monnaie 2010/11 für die glanzvolle Rehabilitierung von Meyerbeers «Les Huguenots»; Andrea Breth setzte sich erstmals mit Janácek auseinander; Romeo Castellucci gestaltete den...
Schon während der gemeinsamen Arbeit an «Elektra» war es für Richard Strauss klar, dass er die Partnerschaft mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal fortsetzen würde. Dieser war seinerseits von der Aussicht, ins Musiktheater hineinwirken zu können, sehr angetan. Allerdings hatte er die Vorstellung, wie im Fall «Elektra» die Stücke erst einmal für die Sprechbühne zu...
