Die neue Bescheidenheit oder: Was bleibt von 2010/2011?
Das gab es noch nie. Erstmals wurde bei der jährlichen Kritikerumfrage dieser Zeitschrift ein Opernhaus des Jahres gewählt, das außerhalb des deutschen Sprachraums steht: das Théâtre Royal de la Monnaie. Die Entscheidung für Brüssel zeigt: Wichtiger als alles Marketing ist das geistige Profil eines Hauses. Solange die künstlerische Substanz dünn bleibt, nützt die schönste Verpackung nichts. Eine Binsenweisheit.
Und doch: Wo trifft man auf einen Intendanten, der den Dienst an der Sache so überzeugend und uneitel vorlebt wie Peter de Caluwe? Seit 2007 steht er an der Spitze von Belgiens größtem Opernhaus: ein Mann mit klaren Überzeugungen und langem Atem, der lieber im Hintergrund agiert, mit Künstlern und Mitarbeitern diskutiert, statt sich vor laufender Kamera zu produzieren. Er weiß, dass spannendes Musiktheater am besten im Dialog entsteht. Und hat ein Händchen, wenn es darum geht, für ein Projekt das richtige Team zusammenzustellen (ab Seite 4). Bei Meyerbeers Grand Opéra «Les Huguenots», die Peter de Caluwe zum Ende seiner vierten Spielzeit in nie gehörter Vollständigkeit präsentierte, ist ihm dies geradezu exemplarisch gelungen. Jahrelang hatten sich Marc Minkowski und ...
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