Was in der Fantasie geschieht

Zu laut ist er eigentlich nie. Aber auch nicht zu leise. Doch nicht allein wegen seiner Gabe, die richtige dynamische Balance zu halten, zählt GEROLD HUBER zu den besten Liedbegleitern. Ein Gespräch über Klischees, jugendliche Prägungen, Christian Gerhaher – sowie die Frage, warum Schubert nach wie vor der Größte unter den Liedkomponisten ist

Herr Huber, Sie sind der erste Liedbegleiter, mit dem die «Opernwelt» ein ausführliches Interview führt. Fühlt man sich vom Journalismus manchmal vernachlässigt in Ihrem Beruf? 
Diese Frage wird mir fast bei jedem Interview gestellt. 

Nervt sie Sie? 
Nein, gar nicht. Ich glaube nur, dass man schon vor ungefähr 20 Jahren davon abgekommen ist, dass der Begleiter etwa in einer Kritik nur erwähnt wird.

Davor galt der Liederabend tatsächlich als Sache des Sängers und war es meistens vollkommen uninteressant, ob es dazu noch eine Begleitung gibt – und wie die ausfällt. Aber inzwischen hat sich doch durchgesetzt, dass es sich um eine Form der Kammermusik handelt, dass also die musikalische Gesamtstruktur zählt und nicht nur das gesungene Gedicht. 

Welche Berufsbezeichnung bevorzugen Sie: Liedbegleiter oder Pianist? 
«Liedbegleiter» empfinde ich nicht als Herabsetzung. Mittlerweile etabliert sich immer mehr «Liedpianist», aber ich würde mich durchaus als Begleiter bezeichnen. 

Sie haben bis heute keine eigene Homepage. Wieso nicht? 
Ich hatte schon mal eine, aber bin eigentlich davon abgekommen, derart offensiv mit mir selbst als Produkt zu werben. Ich nutze auch die sozialen Netzwerke ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Interview, Seite 40
von Michael Stallknecht

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