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Die Tonart verheißt nichts Gutes. Es-Moll, das riecht nach Tod, in manchen Fällen auch nach einer gewissen Art von Tod. Und die gute Liù weiß, dass ihr ein solch harsches Ende droht, weiß es seit dem ersten Akt, als ihr dieses tieftraurige es-Moll schon einmal begegnete, in jenem andante triste, als das Volk von Peking, leider vergeblich, um Gnade für den jungen Prinzen flehte, der die drei Rätsel der Turandot nicht zu lösen vermocht hatte. Auch in diesem Moment, im dritten Akt, scheint die Situation ausweglos.
Verrät Liù den Namen des Mannes, den sie liebt, wird sie (vielleicht) leben, er aber gewiss sterben. Verrät sie ihn nicht, ist es genau andersherum. Also singt sie (oder besser: Guanqun Yu), und das mit einer sanften Hingabe, die imstande wäre, einen ganzen Eisberg zu schmelzen, con un poco d’agitazione con dolorosa expressione. Wie gesagt, die Tonart verheißt nichts Gutes. Und so geschieht das Unvermeidliche: Am Ende des Liebesgebets stößt sich Liù den Dolch einer ihrer Wachen ins Herz.
Weiter wusste Puccini nicht. Weiter kam er nicht. Weiter konnte er nicht. Er starb, und so endet seine «Turandot» mit dem Tod der großen, empathischen Heroine. Aber eigentlich kann es ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jürgen Otten
Ach ja, das Leben. Schön ist es und schwer, doch nie ganz ohne Hoffnung, schließlich ist das Träumen bei allen Schicksalsschlägen, die man im Verlauf der (wie eine Windsbraut vorüberrauschenden) Jahre oder Jahrzehnte erleidet, immer erlaubt. Auf der Suche nach Beispielen für diese wehmütig-utopische Seins-Anschauung wird man in den beiden naturalistischen Romanen...
Früher, da hieß Dubí Eichwald. Jetzt heißt Eichwald Dubí. Und das ist gut so. Heute wohnen etwa 8000 Menschen in dieser Kleinstadt in Nordböhmen, am «oberen linken Rand» von Tschechien. Die Wälder sind dicht, aus Lichtungen leuchten helle Hausfassaden hervor. Sonst sehen wir den Wald vor lauter (böhmischen) Bäumen kaum. Ein bayerischer Schriftsteller – Carl Oskar...
Literaturoper oder nicht, das ist hier, vielleicht, die Frage. Natürlich zählt «Der Meister und Margarita» von York Höller diesem Genre zu, schließlich bildet der gleichnamige (surrealistische) Roman Michail Bulgakows die Vorlage für Höllers Bühnenwerk und lehnt sich der lineare Textverlauf daran an. Zugleich handelt es sich dabei aber nicht um eine einfache...
