Vom Kreislauf der Gewalt
ANNA, ESTER, RUUT, JOONATAN, NAOMI. In roten Lettern schreibt ein Mädchen Namen auf eine transparente Plane. Sie selbst ist nur schemenhaft zu erkennen, die durchsichtige Wand umgibt sie von allen Seiten, wie eine eckige Schneekugel. Hindurch schimmern Formen einer Waldlichtung: Moos, Gräser, Geäst.
Vielleicht ein Stück konservierte Kindheit? Und die rote Farbe – eine Anspielung auf den Akt der Gewalt, der ihr ein Ende setzte?
Kaija Saariahos 2021 in Aix-en-Provence uraufgeführte Oper «Innocence» erzählt vom Nachbeben eines fiktiven Schul-Amoklaufes und bedient dafür verschiedene Zeitebenen: In der Gegenwart versucht die Familie des Täters verzweifelt Normalität vorzutäuschen, quält sich aber dennoch mit Vorwürfen: «Manche schieben die Schuld auf Filme und Videospiele, aber vielleicht war es mein Fehler», singt der Vater des Mörders. Er trifft auf die Mutter einer getöteten Schülerin, sie macht ihm bittere Vorwürfe: «Dein Sohn hat meine Tochter mit deiner Waffe getötet.» Dazwischen schieben sich Stimmen aus dem Reich der Erinnerung: Überlebende erzählen, wie Traumata und Angstzustände sie bis heute prägen, dabei geraten die Sprachen in babylonischer Verwirrung durcheinander. ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Anna Schors
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Tatsächlich kommt man nicht umhin, über Politik zu sprechen, insbesondere in der Slowakei, wo ich lebe, wenn ich nicht im Ausland arbeite. Nachdem Robert Fico als Ministerpräsident wieder an die Macht gelangte, geschah in meiner Heimat in Windeseile, was der kürzlich abgewählte Viktor...
Spätestens kurz nach Pfingsten musste man sich sorgen. Die F.A.Z.-Rezension über die Premiere von Rossinis «Il viaggio a Reims» bei den Salzburger Festspielen stammte nicht, wie gewohnt, aus der Feder von Jürgen Kesting, für den die Stadt an der Salzach so etwas wie eine zweite musikalische Heimat geworden war. Seit fast 30 Jahren berichtete Kesting regelmäßig von...
