Vom Kreislauf der Gewalt

Saariaho: Innocence am Staatstheater Braunschweig

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ANNA, ESTER, RUUT, JOONATAN, NAOMI. In roten Lettern schreibt ein Mädchen Namen auf eine transparente Plane. Sie selbst ist nur schemenhaft zu erkennen, die durchsichtige Wand umgibt sie von allen Seiten, wie eine eckige Schneekugel. Hindurch schimmern Formen einer Waldlichtung: Moos, Gräser, Geäst.

Vielleicht ein Stück konservierte Kindheit? Und die rote Farbe – eine Anspielung auf den Akt der Gewalt, der ihr ein Ende setzte?

Kaija Saariahos 2021 in Aix-en-Provence uraufgeführte Oper «Innocence» erzählt vom Nachbeben eines fiktiven Schul-Amoklaufes und bedient dafür verschiedene Zeitebenen: In der Gegenwart versucht die Familie des Täters verzweifelt Normalität vorzutäuschen, quält sich aber dennoch mit Vorwürfen: «Manche schieben die Schuld auf Filme und Videospiele, aber vielleicht war es mein Fehler», singt der Vater des Mörders. Er trifft auf die Mutter einer getöteten Schülerin, sie macht ihm bittere Vorwürfe: «Dein Sohn hat meine Tochter mit deiner Waffe getötet.» Dazwischen schieben sich Stimmen aus dem Reich der Erinnerung: Überlebende erzählen, wie Traumata und Angstzustände sie bis heute prägen, dabei geraten die Sprachen in babylonischer Verwirrung durcheinander. ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Anna Schors

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