«Es geht darum, berührt zu werden»
Frau Daubnerová, wollen wir über das Verhältnis von Kunst und Politik reden?
Tatsächlich kommt man nicht umhin, über Politik zu sprechen, insbesondere in der Slowakei, wo ich lebe, wenn ich nicht im Ausland arbeite. Nachdem Robert Fico als Ministerpräsident wieder an die Macht gelangte, geschah in meiner Heimat in Windeseile, was der kürzlich abgewählte Viktor Orbán in Ungarn in wenigen Jahren erreicht hatte.
Ich meine damit nicht nur einen Angriff auf die Demokratie, aber wenn wir schon über Kunst und Politik sprechen: Bei uns ist es die Kultur, die täglich auf der Tagesordnung steht. Nie zuvor wurde ihr so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Wahrscheinlich verbirgt sich dahinter eine Strategie, um von anderen wichtigen Themen abzulenken, etwa vom Thema Justiz. Fico will vor allem vermeiden, ins Gefängnis zu gehen, also musste er schnell Gesetze ändern, Positionen neu besetzen. In der Kultur begann es mit der Absage von Veranstaltungen und Projekten mit LGBT-Themen, gefolgt von der Übernahme des Staatlichen Fernsehens und Radios, und innerhalb eines Jahres wurden alle Direktoren der großen Kulturinstitutionen entlassen, wie zum Beispiel Matej Drlička, der Intendant des Slowakischen ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Interview, Seite 50
von Jürgen Otten
Noch immer ist Véronique Gens die Inkarnation der französischen Barock-Oper. 2021 hatte sie unter dem Titel «Passions» ein Recital-Album vorgelegt, das den Königinnen im Œuvre Lullys, des Begründers der Tragédie en musique, galt. Jetzt folgt, wiederum orchestral und chorisch brillant unterfüttert vom Ensemble Les Surprises unter der Leitung von Louis-Noël Bestion...
Als man Chemnitz zur europäischen Kulturhauptstadt kürte, war Verwunderung noch die harmloseste Reaktion. Chemnitz? Warum nicht gleich Senftenberg oder Prenzlau?! Aber Sachsens dritte Stadt präsentierte vergangenes Jahr seine schönsten, auch unbekannten Seiten und fand Anerkennung sogar in der überregionalen Presse, nicht zuletzt dank des Einsatzes seiner Bürger....
Siebenundzwanzig Takte gewähren nicht gerade viel Zeit und Raum, so man eine dichtgewebte Atmosphäre kreieren möchte. Giuseppe Verdi jedoch genügten sie, um das Meer vor Genua in klangmalerische, fast impressionistische Töne zu fassen – wie es wogt und schäumt, sanft hin- und herschaukelt in der Abendsonne, wie es erst vorsichtig (pianissimo), später dann, ab Takt...
