Connaisseur der alten Schule
Spätestens kurz nach Pfingsten musste man sich sorgen. Die F.A.Z.-Rezension über die Premiere von Rossinis «Il viaggio a Reims» bei den Salzburger Festspielen stammte nicht, wie gewohnt, aus der Feder von Jürgen Kesting, für den die Stadt an der Salzach so etwas wie eine zweite musikalische Heimat geworden war. Seit fast 30 Jahren berichtete Kesting regelmäßig von dort, und dies in der ihm eigenen Mischung aus Meinungsstärke und höchstem Sachverstand. Nun aber schwieg er, und das aus unguten Gründen.
Der in Hamburg lebende Journalist, Publizist, Moderator und Stimmenkundler war schwer erkrankt. Wenig später, am 5. Juni, verstarb er mit 85 Jahren.
Ein gesegnetes Alter, möchte man meinen. Nicht aber für diesen bis zuletzt neugierigen Mann, dessen Wissen weit über das rein Musikalische hinausreichte. Kein Wunder, der 1940 in Duisburg geborene Kesting hatte Germanistik, Anglistik und Philosophie studiert. Worüber auch immer er schrieb, dieser Hintergrund wurde spürbar. Da war kein Kritiker am Werk, der mal eben den Daumen senkt oder hebt, sondern ein Mann, den die kulturhistorischen, politischen und geschichtsphilosophischen Implikationen eines Werkes interessierten, dessen Wirkung in ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Jürgen Otten
Ein Trauerspiel ist’s. Aber keines in fünf Akten, wie gewöhnlich, sondern eines, das sich über fast sieben (nicht gar so gute) Jahre hinwegzieht und aus rund 70 Briefen und Telegrammen besteht. Die Protagonisten sind der Hofoperndirektor Gustav Mahler und ein Sänger, genauer: ein Tenor. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an. Tenöre können Götter sein, wenn...
Es ist leider nicht bekannt, ob die Fürstin Feldmarschallin Werdenberg, Kosename «Bichette», eine eifrige Nietzsche-Leserin war. Lauscht man ihrer von milden F-Dur-Klängen ummantelten Introspektion im ersten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier», darf man allerdings davon ausgehen. Wie sonst wüsste sie so genau um das Wesen menschlicher Existenz, um die Vergänglichkeit...
Wandelbar
Angefangen hat er als Alt-Solist im Knabenchor. Von dort führte der Weg von Benjamin Bruns erst nach Hamburg, zum Studium bei Renate Behle, und dann recht schnell in die Opernhäuser von Bremen, Köln, Dresden und Wien. Bemerkenswert die Bandbreite seines Repertoires: Von Mozart und Rossini reicht es über Beethoven, Lehár und Janáček bis zu Strauss – und...
