Verrückte Hühner
Der Text war brisant. Und kursierte deswegen anfangs in der Deutschen Demokratischen Republik nur «unter der Hand». Letztlich aber konnte (und wollte) auch sein Autor nicht verhindern, dass er in die breite Öffentlichkeit drang und dort, was Wunder, heiß diskutiert wurde. Nichts Geringeres nämlich hatte der umstrittene Dramatiker Peter Hacks versucht, als – in feingewobener Dialektik – ein ästhetisches Programm der «sozialistischen Klassik» zu formulieren.
«Versuch über das Theaterstück von morgen» lautete der Titel seines 1965 (zunächst auf Tschechisch) erschienenen Essays, in dem Hacks der rein revolutionären Kunst eine Absage erteilte, weil sie den vollständigen Bruch mit dem bürgerlichen Theater bedeutete. Sein Ideal, welches er in zahlreichen seiner Stücke ja auch eingelöst hatte (und weiter einlösen würde), war eine Art integratives Modell, das souverän genug schien, um die herausragenden Kunstleistungen der vergangenen Epochen inklusive des darin ausgebildeten Formbewusstseins in sich aufzunehmen.
«Der Schuhu und die fliegende Prinzessin» entsprach diesem Ideal. Ein (frei erfundenes) Prosamärchen, 1964 in der Literaturzeitschrift «SINN UND FORM» publiziert, ein ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Jürgen Otten
Händels Oper «Alcina» gehört zu den Werken, deren Handlung aus einem Wust aus Namen, Verlobungen und Verkleidungen besteht. Das Beste, was einem solchen Stück passieren kann, ist eine Regie, die dieses Gewirr so auf die Bühne bringt, dass man als Zuschauerin dem Geschehen mühelos folgen kann. So geschehen am Theater Stralsund.
Auf die nur sprichwörtlich «einsame...
Dass Johannes Brahms’ Musik lange auch mit den Worten «grüblerisch, kühl, klangarm und voll allzu bedrückender Schwermut» charakterisiert wurde (so eine Wiener Rundfunkzeitung zu seinem 100. Geburtstag), ist vermutlich auch auf ein Urteil Friedrich Nietzsches zurückzuführen. In einer seiner bekannt bissigen Invektiven bezichtigte Nietzsche den Komponisten der...
Ach ja, das Leben. Schön ist es und schwer, doch nie ganz ohne Hoffnung, schließlich ist das Träumen bei allen Schicksalsschlägen, die man im Verlauf der (wie eine Windsbraut vorüberrauschenden) Jahre oder Jahrzehnte erleidet, immer erlaubt. Auf der Suche nach Beispielen für diese wehmütig-utopische Seins-Anschauung wird man in den beiden naturalistischen Romanen...
