Verdis schwieriges Erbe
Es war die Idee des Verlegers Giulio Ricordi, zwei vorher nur mäßig erfolgreiche und in ihren künstlerischen Ambitionen grundverschiedene Männer wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli zu einem Erfolgsteam zusammenzubringen, ja, zu zwingen. Boito hatte mit seiner ehrgeizigen Goethe-Adaption «Mefistofele» (1868) einen der größten Skandale der Operngeschichte provoziert, Ponchielli war noch eine Provinzgröße, die nach einigen Fehlschlägen mit der Zweitfassung seiner Manzoni-Oper «I promessi sposi» gerade etwas Boden unter den Füßen gewonnen hatte. Not macht erfinderisch.
Weil Verdi sich nach der «Aida» von der Opernbühne zurückgezogen hatte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ricordi fasste Ponchielli ins Auge und versicherte sich der Mitarbeit Boitos, den er als Literaten, weniger als Komponisten schätzte. Aus der einmaligen Zusammenarbeit entstand «La Gioconda», die einzige Ponchielli-Oper, die sich bis heute im Repertoire gehalten hat.
Für Boito war es eine Brotarbeit, die ihn von der Weiterführung an seinem eigenen Großprojekt «Nerone» abhielt, für Ponchielli der lang ersehnte Durchbruch, nachdem auch die von Ricordi bestellten «Lituani» an der Scala nicht mehr als einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dvoráks zeitgleich mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» entstandene vorletzte Oper «Rusalka» ist wie die Opern der beiden jüngeren Komponisten ein Kind des musikalischen Fin de Siècle. Heinz Lukas-Kindermann verstärkt diese alptraumhaft verstörenden Züge in seiner Münsteraner Inszenierung und gibt dem Wunschtraum der von der schnöden...
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde,...
Das Vorspiel zu einem tollen Tag, in der Tat. Die Ouvertüre zur «Hochzeit des Figaro» – bei Karen Kamensek und dem in kleiner Besetzung klaglos mitpreschenden und nirgends ins Flattern geratenden Freiburger Philharmonischen Orchester ist das ein Mozart des enormen Tempos. Ein Sturm braust über das Anwesen derer von Almaviva hinweg: Revolution ante portas – und...
