Radikale Seelenschau
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde, wie ein Sprecher des Ensembles in einer Erklärung vor ausverkauftem Haus verlautbart und die Theaterfreunde um ihre Mithilfe und ihren Protest gegen die Kantonspolitik bittet.
Opernalltag zur Jahreswende 2005/06.
Oder doch nicht? Was Michael Thalheimer in seiner nunmehr zweiten Operninszenierung (nach Janáceks «Katja Kabanova» in Berlin) offeriert, ist ein kleines Theaterwunder, eine verblüffend einsichtige Umsetzung von Verdis Tragödie bar jeglichen Realismus, als szenisches Oratorium auf schneeweißer, portalbreiter Guckkastenbühne (Henrik Ahr), die, perspektivisch verjüngt, noch um einen tiefer liegenden Raum nach hinten ausgeweitet werden kann. Ein Raum, in dem Zeit keine Bedeutung mehr hat als Dimension, in dem es nur noch eine bestimmende Größe gibt: Leere. Dieser «Rigoletto» ist ein Kammerspiel, das in seiner ...
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Es war die Idee des Verlegers Giulio Ricordi, zwei vorher nur mäßig erfolgreiche und in ihren künstlerischen Ambitionen grundverschiedene Männer wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli zu einem Erfolgsteam zusammenzubringen, ja, zu zwingen. Boito hatte mit seiner ehrgeizigen Goethe-Adaption «Mefistofele» (1868) einen der größten Skandale der Operngeschichte...
Wie kein anderes hat sich das Label Orfeo des Wiener Staatsopernjubiläums angenommen. Von den sieben Opernpremieren des heißen Herbstes 1955 gibt es neben bereits existierenden kompletten Live-Mitschnitten nun zusätzlich Highlights auf drei CDs, wobei die bisher nicht auf CD erhältlichen Ausschnitte aus «Aida» (mit Leonie Rysanek und Hans Hopf unter Rafael Kubelik)...
So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rheinoper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...
