Verdi: La traviata
Der Abend lebt von Violetta. Die junge Sizilianerin Adriana D’Amato ist keine, die sich erst im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt wie «Lulu», kein hart ins Leben gestoßenes, Liebe mit großen Augen erlebendes Kind, als das Franco Zeffirelli die Kurtisane der Jubiläums-«Traviata» vor drei Jahren im Teatro Verdi in Busseto mit D’Amatos Landsfrau Stefania Bonfadelli anlegte. Sondern eine, die in ihrer starken Ausstrahlung verständlich macht, dass «die vom Weg Abgekommene» eigentlich eine der emanzipiertesten Frauenrollen der romantischen Opernliteratur ist.
Am Anfang meint man (zumindest in der von mir besuchten Vorstellung), sich an ihr Timbre noch gewöhnen zu müssen. Doch singt sie sich rasch frei, steigert die Eindringlichkeit ihrer vokalen Gestaltung von Akt zu Akt. Aus dem dunklen Samt der Mittellage entwickelt sie eine golden glänzende Höhe und sattelfeste Koloraturen.
Dass sie und die ganze Aufführung von jener Sentimentalität frei bleibt, die sonst häufig Produktionen dieses Werks begleitet wie ein Klageweib, ist auch Verdienst von Dietmar Pflegerl, der die Regieaufgabe vom ursprünglich vorgesehenen Georges Delnon übernahm. Er nähert sich dem Stück auf seine nun schon ...
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