UNGESTILLTES VERLANGEN

Puccini: Il trittico BRÜSSEL | THÉÂTRE LA MONNAIE

Drei Opern, drei Antlitze des Todes: «Il tabarro» endet mit einem Mord, «Suor Angelica» im Suizid, «Gianni Schicchi» schließlich bekundet Leben und Tod als Zutaten ein und derselben Komödie. Für «Il tabarro» liefert Tobias Kratzer eine präzise Milieustudie der Pariser Seineschiffer. Darin verwoben die ebenso banale wie realistische Dreiecksgeschichte um Michele, seine junge Frau Giorgetta und deren Liebhaber Luigi. Zum Mord kommt es fast beiläufig: Michele nutzt den bloßen Zufall, um seinen Rivalen zu beseitigen. Dessen Tod zieht den Schlussstrich unter eine Liebe ohne Zukunft.

Was er und Giorgetta für sich erträumten, ist jenseits ihrer sozialen und ökonomischen Lebenswelt angesiedelt, es ist illusorisch. 

Ausstatter Rainer Sellmaier arbeitet auf den ersten Blick dem Verismo des Werks detailliert zu. Doch bei näherem Hinsehen erweist sich die Collage aus Schiffsführerhaus, Kajüte und Laderaum, mit der Sellmaier das Bühnenportal füllt, als der Düsternis und den irritierenden Blickwinkeln einer Graphic Novel wie etwa Frank Millers «Sin City» verpflichtet. Alain Altinoglu und das Orchestre Symphonique de la Monnaie drängen mit zügigen Tempi das Drama in die unvermeidliche ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski

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