Unerfüllte Lust

Hera Hyesang Park und ihr Album «Breathe»

Opernwelt - Logo

Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin. Doch ein gewisses Gefühl einer unbewussten, zugleich höchsten Lust ist ihr durchaus nicht fremd, wie sie im Booklet andeutet; sie erfuhr diese etwa beim Apnoetauchen. Fülle im Nichts.

Hera Hyesang Park suchte Halt vor den Ängsten der Pandemie im Spirituellen, wollte dabei wohl Phänomene wie die immer stärker wahrgenommenen Nahtod -erfahrungen mit dem geistigen Erbe ihrer koreanischen Heimat verbinden. «Breathe» verstanden als Substantiv «der Atem». Oder auch als Imperativ: «Atme!» Jetzt, in diesem Moment! Schenke die gesamte Aufmerksamkeit dem Augenblick.

Freilich hat der materialistisch aufgeklärte Westen sich wissenschaftlich seit einigen Generationen auf das Sicht- und Greifbare verständigt. Indes scheint diese vermeintliche Sicherheit etwa durch die Quantenphysik erschüttert. Und eine von der Spiritualität des fernen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 36
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
«La femme, c’est moi»

Frau Kulman, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Bühnenauftritt?
Natürlich! Das war am 19. Dezember 2021 in Bamberg, ein Abend mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša. Das Haus war wegen Corona nur zu einem Drittel gefüllt. Ich habe ein eigenes Wunschprogramm gesungen und am Ende Mahlers «Wunderhorn»-Lied «Urlicht». Und dann war...

Wechselhafte Gefühle

Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...

Zeitparabel

Man könnte denken, diese Oper sei soeben erst in Moskau geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden, um den in Russland stark verbreiteten Denunziationen zu entgehen. Denn der in Einsamkeit regierende Herrscher, der sich in Viktor Ullmanns «Kaiser von Atlantis» für eine Weile «zum besseren Regieren» zurückgezogen hat, das ist im Grunde Russland. Und der «Krieg...