Unerfüllte Lust
Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin. Doch ein gewisses Gefühl einer unbewussten, zugleich höchsten Lust ist ihr durchaus nicht fremd, wie sie im Booklet andeutet; sie erfuhr diese etwa beim Apnoetauchen. Fülle im Nichts.
Hera Hyesang Park suchte Halt vor den Ängsten der Pandemie im Spirituellen, wollte dabei wohl Phänomene wie die immer stärker wahrgenommenen Nahtod -erfahrungen mit dem geistigen Erbe ihrer koreanischen Heimat verbinden. «Breathe» verstanden als Substantiv «der Atem». Oder auch als Imperativ: «Atme!» Jetzt, in diesem Moment! Schenke die gesamte Aufmerksamkeit dem Augenblick.
Freilich hat der materialistisch aufgeklärte Westen sich wissenschaftlich seit einigen Generationen auf das Sicht- und Greifbare verständigt. Indes scheint diese vermeintliche Sicherheit etwa durch die Quantenphysik erschüttert. Und eine von der Spiritualität des fernen ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 36
von Gerhard Persché
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper...
Sie heißen Fürst Blangis, Präsident Durcet, Curval, einer ist schlicht der «Bischof». Irgendwann tauchen sie auf, als Figuren eines Skandalfilms, zwischen gefangenen Lust -knaben, Soldaten und gaffenden Menschen. Und schon bald ist nicht mehr klar: Was ist Realität? Was nur nachgestellt? Wobei es sich doch eigentlich um «Tosca» handelt – doch tut das an der...
Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts....
