Husarenstreich
Den Narren nimmt er ziemlich ernst. In seiner Essener «Wozzeck»-Inszenierung verdreifacht Martin G. Berger die Randfigur und macht sie zum Ventil für Wozzecks Wahn. «Wer’s sieht – wie Du! Der kann auf Erden nur Mörder oder Narr noch werden …», so dichtet der Regisseur für die selbstgemachte Ouvertüre; diese besteht aus dem «Nacht»-Stück aus Alban Bergs «Sieben frühen Liedern» sowie bearbeiteter expressionistischer Lyrik. Wozzeck hat plötzlich eine Wahl. Allerdings mit riesigen Konsequenzen für das Stück.
An diesem Abend stimmt alles, angefangen beim zunächst minimalistischen Bühnenbild von Sarah-Katharina Karl, das im Handumdrehen riesige Zuckerstangen oder blutige Inkubatoren zutage fördert. Die detailverliebten Kostüme von Esther Bialas erzählen das große Ganze des modernen sozialen Elends, auch wenn es immer etwas unangenehm ist, mitansehen zu müssen, was man sich in der Oper unter «arme Leut’» vorstellt (natürlich Jogginghose und Fernsehen). Heiko Trinsinger ist ein idealer Wozzeck. Er hat sich Bergs Musik zur Natur gemacht, steigert sich in Verzweiflung und Wahnsinn hinein und bedient mit seinem Wechsel auf die Narrenseite auch die harlekinische Spielfreude. Deirdre Angenents ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Anna Chernomordik
Aus Alt mach Neu: Dieses Credo galt heuer sowohl bei den Göttinger Händel-Festspielen wie an der Saale. In Göttingen reaktivierte der Künstlerische Leiter George Petrou nach «Giulio Cesare» und «Semele» die bis ins 19. Jahrhundert selbstverständliche Kunst des Pasticcio. Am Beginn des Projekts stand Petrous Wunsch, Alternativen aus Händel-Partituren aufzuführen....
Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und...
Frau Kulman, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Bühnenauftritt?
Natürlich! Das war am 19. Dezember 2021 in Bamberg, ein Abend mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša. Das Haus war wegen Corona nur zu einem Drittel gefüllt. Ich habe ein eigenes Wunschprogramm gesungen und am Ende Mahlers «Wunderhorn»-Lied «Urlicht». Und dann war...
