Chiaroscuro

Verdi: Otello an der Oper Rom

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Der Seeheld glaubt, er sei durchaus berechtigt, seiner vermeintlich untreuen Braut das Leben zu nehmen. Denn er kann sich dabei – kaum zu glauben, aber wahr – auf eine in Italien noch bis vor wenigen Jahrzehnten gültige Rechtsordnung berufen, in der die Tötung aus Eifersucht zu den Kavaliersdelikten zählte. Jedenfalls bei männlichen Tätern. Regisseur Allex Aguilera lässt im Teatro dell’Opera zu  Rom keinen Zweifel daran, worauf eine solche Lizenz hinausläuft: auf die Erbärmlichkeit eines gewöhnlichen Mordes.

Statt daher Desdemona hochdramatisch die Luft abzudrücken, ersäuft der Admiral sie wie eine Katze. Desdemona stirbt elendig, einsam, unspektakulär. Ihr Tod liegt ganz auf der Linie der Beweiskraft des an den Haaren herbeigezogenen Corpus delicti, denn das Taschentuch erweist sich als durch und durch fadenscheinig. Wenn es dennoch die Projektionsfläche für Otellos haltlose Anklage abgibt, dann verbindet sich hier der Machismo des hormonell übersteuerten Wüterichs mit seinem fortschreitenden Realitätsverlust.

Worauf das hinausläuft, daran bleibt in Aguileras Inszenierung kein Zweifel: auf einen Femizid. Black Facing stünde bei einer solch klaren Sicht auf die Zentralfigur dem ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Kaminski

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