Todestanz
Krzysztof Warlikowski liebt es, unterschiedliche Werke miteinander zu verbinden, um daraus eine ganz persönliche Vision zu entwickeln. So auch 2015 in Paris, als er Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und Poulencs «La voix humaine» zu einer eindrucksvollen Aufführung verband. Die Produktion, die nichts von ihrer Faszination verloren hat, wurde nun am Teatro San Carlo in Neapel mit leicht veränderter Besetzung wieder aufgenommen. Elīna Garanča übernahm die Rolle der Judit, Barbara Hannigan war (erneut) die «Frau» in Poulencs Monooper.
Zwei einander völlig fremde Musikwelten werden bei Warlikowski auf magische Weise miteinander verflochten. Da wie dort sieht sich eine weibliche Hauptfigur einer animalischen Bedrohung gegenüber – eine Form von Sublimierung der Begegnung von Männlichem und Weiblichem. Judit kann sich eine Paarbeziehung nicht vorstellen, ohne alles über ihren Partner zu wissen. Auf der symbolträchtigen Bühne von Małgorzata Szczęśniak gibt es nur riesige Vitrinen, als Teil eines Museums des Grauens. In der Folterkammer steht eine Badewanne mit rotem Satintuch, in weiteren Vitrinen befinden sich eine Waffensammlung, glitzernder Schmuck sowie eine Reihe blutbefleckter ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Guy Cherqui
Die Flüge nach Rio, Caracas, sogar nach Salzburg? Alle gecancelt. Und die Stimmung im Terminal? Bestens. Was weniger an den Gutscheinen für die Bar liegt, sondern am Zeitvertreib während der Wartezeit. Zwei Männer spielen Fußball, die Melodien von Ferrando und Guglielmo auf den Lippen. Eine mondäne Frau betrauert mit «Porgi amor» ihre Beziehung, zum ersten...
Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts....
Auch Erfolge können altern. Bertolt Brechts und Kurt Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» jedenfalls hat in Stuttgart einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Das diabolische Spiel, das Brechts gleichermaßen opern- wie kapitalismuskritischer Text hier auftischt, und das diabolische Vergnügen, das Weills kulinarisch schmissige Musik dagegen setzt, finden –...
