Triomphe de l'amour
Über die Liebe ist schon manch Klug-Erhellendes, Poetisch-Verdichtetes (und, ja, auch Staunenswertes) geschrieben worden.
Eine der schönsten Charakterisierungen aber finden wir in der Bibel, im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 4 bis 7: «Die Liebe ist langmütig und freundlich», heißt es da, «die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles».
Eine solche (schier unglaubliche) Liebe ist es, die Alphise, Königin von Baktrien, und Abaris verbindet, den einst der Hohepriester Adamas großzog, mit dem Hinweis des Herrn, dieses Waisenkind sei edler Abstammung. Das aber weiß Alphise nicht, die nun aufgefordert ist, einen der beiden Söhne des Boreas zu ehelichen, um den Fortbestand des Königreichs zu sichern. Doch die stolze Jungfrau verweigert sich dem unverschämten (leider gleichfalls göttlichen) Ansinnen, und das mit aller Macht. Sie mag weder Calisis noch Borileas. Ihr reines ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
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Im Gleichschritt des Gänsemarschs und mit tief gebeugten Rücken trippeln die Mägde auf einem schräg in den Bühnenboden gerammten Zylinder. Darauf ist ein Drehbühnenumlauf eingerichtet, dessen Bewegungsrichtung die schwarz uniformierten Damen stets stramm entgegengehen, wodurch sie im Ergebnis jedoch kaum vom Fleck kommen. Die unmenschlichen, dezidiert tierischen...
