Aus Kindersicht

Verdi: Falstaff
BREMEN | THEATER

Opernwelt - Logo

Bevor der erste Ton zu hören ist, hat die Aufführung längst begonnen. Von einem Kameramann beobachtet, ist ein kleines Mädchen zu sehen. Auf einem Steg, den Pia Dederichs und Lena Schmid hinter den ersten Sitzreihen quer durch den Saal gebaut haben, entsteht unter ihren Händen eine Osteria im Mini-Format. Erst als sie fertig ist, kann John Falstaff hineinpoltern in eine Inszenierung, die nach dem Willen des Regisseurs Verdis Meisterwerk vornehmlich aus der Sicht von Kindern zu interpretieren sucht.

Ganz so eindeutig wird das allerdings nicht.

Denn wenn sich der Vorhang endlich hebt und das Halbrund einer Arena zeigt, versammeln sich erst mal alle Akteure auf den Logenreihen, als säßen sie in ihren roten Richterroben über Falstaff zu Gericht. Der weiß sich über den Orchestergraben hinweg jedoch wortgewaltig zu behaupten, und Johannes Schwärsky verkörpert den Ritter von der bauchigen Gestalt über das bloß Baritonale hinaus mit einer Identifikationsbereitschaft, die allein schon den Opernbesuch lohnt. Es ist eine Lust, ihm zuzuhören. Mehr noch: ihm zuzusehen, wenn er seinen Eroberungsfeldzug entwirft. Hätte sein Falstaff den gefälschten Liebesschwur nicht zwei identisch formulierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Impressum März 2022

63. JAHRGANG, NR 03
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690   |   Best.-Nr. 752353

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12

redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@o...

Was kommt... März 2022

Poetische Bilderwelten
Der strenge Blick täuscht. Im Gespräch  zeigt sich Bibi Abel, die freie Kunst studierte, um  dann den kühnen Weg als Multimedia-Entwicklerin einzuschlagen (und Teil des Künstler-Duos «fuck yourself» war) von ihrer charmantesten Seite, die einhergeht mit einem erkennbaren Hang zur Melancholie. So sind auch ihre Videos, die sie für Schauspiel-...

Verlassen und wieder vereint

Die Bühne stellt eine wüste Insel dar»: Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der «Robinsonaden», hatte diese Szenenanweisung Hochkonjunktur. Man denke an die arme Ariadne, die auf Naxos um den untreuen Theseus jammert. Nicola Porpora hat ihr eine Oper gewidmet, Joseph Haydn eine Solo-Kantate, die noch heute aufgeführt wird. Doch das Thema war ihm da schon vertraut. In...