Tears and Love

Die Countertenöre Alexander Chance und Johannes Euler widmen sich John Dowlands intimen Lautenliedern

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Ich kann die Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! Mehr! Ich bitte dich.» Nur zu gerne möchte man sich der schwärmerischen Emphase des Höflings Jacques aus William Shakespeares Lustspiel «Wie es euch gefällt» anschließen, wenn man das erste Solo-Album des jungen englischen Countertenors Alexander Chance hört.

Fast anzunehmen, dass Shakespeare mit dieser Aufforderung, wie bei den Liedeinlagen seiner Stücke überhaupt, an die damals in England populären Lautenlieder John Dowlands dachte, die dem ernst-melancholischen Lebensgefühl des elisabethanischen Zeitalters Ausdruck gaben. Wer mit der alten Musik in den 1960er- und 70er-Jahren sozialisiert wurde, ist mit diesen Liedern und ihren maßgeblichen Interpreten, der durch Alfred Deller wiederentdeckten Stimme des Countertenors, gleichsam aufgewachsen. Die heutigen Staraltisten wie Max Emanuel Cenčić, Franco Fagioli oder Jakub Józef Orliński sind in erster Linie Opernsänger, die sich – Ausnahmen wie Philippe Jaroussky und Valer Sabadus bestätigen die Regel – um die intime Kunst des Lautenlieds kaum oder gar nicht mehr bemühen.

Umso mehr überrascht die CD, die der von Toby Carr auf der Laute begleitete ...

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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Uwe Schweikert

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