Wenn nicht jetzt, wann Pan?
Manche mögen’s … nicht: das Musical. Denn dort beschreiben die Protagonisten eins zu eins ihre Gefühle: «Ich bin traurig», «Ich bin verliebt», «Ja, ich kann es schaffen, wenn ich nur dran glaube!». In dem für die Deutsche Oper Berlin von Giorgio Battistelli neu komponierten «Il Teorema di Pasolini» singt jede Person auf der Bühne immer genau das, was sie gerade tut oder sich anschicken wird zu tun. «Ich befinde mich gerade im Garten», «Gleich ziehe ich mich aus», «Gleich werde ich mit dem Gast Sex haben».
Dieser «Gast» ist im Grunde ein Eindringling in eine Familie, der mit jedem der Anwesenden schlafen wird. Eine Idee aus Pasolinis Film «Teorema». Pan-Sexualität als Chance.
Das war 1968, als man wohl tatsächlich glaubte, Sex als Befreiungsakt führe unmittelbar in das Ideal eines humanen Kommunismus. Und so begibt sich der Gast zunächst in den Garten, wo sich ihm die Hausangestellte Emilia ohne großes Aufhebens hingibt. Als Nächstes ist Sohn Pietro an der Reihe. Künstlerisch dargestellte oder nur angedeutete Homosexualität war damals freilich ein Skandal – und deren Normalitätsstreben ein wichtiger Akt der Schwulenemanzipation; heraus aus der Verfolgung, Bestrafung und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Arno Lücker
Ich kann die Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! Mehr! Ich bitte dich.» Nur zu gerne möchte man sich der schwärmerischen Emphase des Höflings Jacques aus William Shakespeares Lustspiel «Wie es euch gefällt» anschließen, wenn man das erste Solo-Album des jungen englischen Countertenors Alexander Chance hört. Fast anzunehmen, dass...
Es war ein Jahr voller Krisen, dieses 1923: Hyperinflation, die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, der dadurch angestachelte Nationalsozialismus (mit bekannten, schlimmsten Folgen wenige Jahre später). In seinem Buch wirft der 1975 geborene Tobias Bleek ein besonderes, intensives, immersives, informatives Dauerschlaglicht auf die...
Hier ende die vom Maestro unvollendet gelassene Oper, weil der Maestro an dieser Stelle gestorben sei. So die Worte, die Arturo Toscanini dem perplexen Publikum der Mailänder Scala am Ende der Uraufführung von Giacomo Puccinis «Turandot» zugerufen haben soll. Nach dem Opfertod der standhaften Dienerin Liù hatte der Dirigent den Taktstock niedergelegt. Er tat dies...
