Stücke und Stückchen

Eindrücke von der Münchener Biennale, die seit diesem Jahr eine neue Doppelspitze hat

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Während sich allerorten die Häuser und Festivals anlässlich des 100. Geburtstags um szenische Produktionen von Opern aus der Feder von Hans Werner Henze drücken, wird der Jubilar bei der Münchener Biennale gefeiert – und zwar in Form eines Stücks, dass mühelos Zeiten, Orte sowie Musikstile vermengt und überwindet. Geschrieben hat es der thailändische Komponist Piyawat Louilarpprasert. «VO1CES//BOD1EZ» rekurriert zunächst auf Henzes Liedzyklus «Voices» von 1973.

Vor allem Bertolt Brecht, Erich Fried und Hans Magnus Enzensberger wirken als Textgeber für veritable Agitationsgesänge. Arbeiter(-innen), erhebt euch und kämpft gegen Ausbeutung durch Mensch und Maschine! Teilweise werden die Lieder fast rein gegeben; dazu sieht man echte Malocher auf der Bühne sowie Produktionsprozesse auf Video. Dann folgt der genuine Beitrag des jungen Komponisten. Eher gestückelte Musik, technisch komplex gebaut, etwas mechanisch in der Wirkung. Was passt, denn der Lieferdienst «Amazön» liefert einen Roboter, und der liefert gleich ab: Er dirigiert Arbeiter wie Musiker. Die Sache schwankt zwischen Parodie und Horrorvision; der Erkenntnisgewinn ist überschaubar, der Unterhaltungsfaktor indes hoch. ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Jörn Florian Fuchs

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