Sonne über dem Nil
Das Orchesterlied ist eine Errungenschaft der Hochromantik. Berlioz und Liszt waren die Ersten, die eigene und fremde Klavierlieder orchestrierten. Aus dem für Frankreich typischen Genre haben sich neben Berlioz’ berühmten «Les nuits d’été» nur vereinzelte Stücke von Duparc, Chausson, Debussy und Ravel im Repertoire gehalten. Die Vorherrschaft des Klavierlieds, der Mélodie, blieb bis zu Poulenc ungebrochen.
Dennoch war das Orchesterlied zwischen 1860 und 1920 keine belanglose Erscheinung, wie die jüngsten Forschungen des Palazzetto Bru Zane beweisen, das in den letzten Jahren Gesamtaufnahmen der Orchesterlieder von Massenet und Saint-Saëns auf den Weg gebracht hat und jetzt auch das Album «So poé-tique!» von Cyrille Dubois unterstützt, das 24 Lieder von einem Dutzend Komponisten vorstellt. Selbst Connaisseurs machen hier fast durchweg Entdeckungen, wenn man einmal von Francks «La Procession» absieht, für dessen inbrünstige Religiosität sich einst Enrico Caruso engagierte.
Wie schon in seiner vorausgegangenen, dem Repertoire des «Ténor de grâce» der Opé-ra comique gewidmeten CD «So romantique!» ist Dubois auch hier ein idealer Interpret. Weit mehr noch als im deutschen Kunstlied ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 44
von Uwe Schweikert
Während sich allerorten die Häuser und Festivals anlässlich des 100. Geburtstags um szenische Produktionen von Opern aus der Feder von Hans Werner Henze drücken, wird der Jubilar bei der Münchener Biennale gefeiert – und zwar in Form eines Stücks, dass mühelos Zeiten, Orte sowie Musikstile vermengt und überwindet. Geschrieben hat es der thailändische Komponist...
Drama und Komik liegen manchmal nah beieinander. 1876 ging in Bayreuth erstmals der «Ring» über die Bühne des eigens dafür errichteten Festspielhauses. Gleich das Vorspiel geht daneben, Cosima berichtet in ihrem Tagebuch: « … erste Rheingold-Aufführung mit vollständigem Unstern, Betz verliert den Ring, läuft zweimal in die Kulissen während des Fluches, ein Arbeiter...
Gestandene Wagnerianer werden sich über Anno Mungens neues Buch gewiss noch weit mehr erregen als 2002 über Brigitte Hamanns monumentale Monographie «Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth». Der Leiter des zur Universität Bayreuth gehörigen Thurnauer Forschungsinstituts für Musiktheater geht in der Spurensuche zum Zusammenhang von Kultur und Politik im Dritten Reich...
