Sonne über dem Nil
Das Orchesterlied ist eine Errungenschaft der Hochromantik. Berlioz und Liszt waren die Ersten, die eigene und fremde Klavierlieder orchestrierten. Aus dem für Frankreich typischen Genre haben sich neben Berlioz’ berühmten «Les nuits d’été» nur vereinzelte Stücke von Duparc, Chausson, Debussy und Ravel im Repertoire gehalten. Die Vorherrschaft des Klavierlieds, der Mélodie, blieb bis zu Poulenc ungebrochen.
Dennoch war das Orchesterlied zwischen 1860 und 1920 keine belanglose Erscheinung, wie die jüngsten Forschungen des Palazzetto Bru Zane beweisen, das in den letzten Jahren Gesamtaufnahmen der Orchesterlieder von Massenet und Saint-Saëns auf den Weg gebracht hat und jetzt auch das Album «So poé-tique!» von Cyrille Dubois unterstützt, das 24 Lieder von einem Dutzend Komponisten vorstellt. Selbst Connaisseurs machen hier fast durchweg Entdeckungen, wenn man einmal von Francks «La Procession» absieht, für dessen inbrünstige Religiosität sich einst Enrico Caruso engagierte.
Wie schon in seiner vorausgegangenen, dem Repertoire des «Ténor de grâce» der Opé-ra comique gewidmeten CD «So romantique!» ist Dubois auch hier ein idealer Interpret. Weit mehr noch als im deutschen Kunstlied ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 44
von Uwe Schweikert
Nein, dieses klingende «Bildnis» ist überhaupt nicht bezaubernd schön, es ist erschreckend finster, nahezu apokalyptisch. Und war an der Staatsoper Prag noch nie zu bestaunen – Poulencs «Dialogues des Carmé-lites» erleben an diesem Maiabend ihre szenische Erstaufführung. Während das vollbesetzte, von Hermann Bäumer angeführte Orchester des Hauses im Pulk durch den...
Les frères Jacques» der französischen Gelehrtenrepublik, Jacques Derrida (für die Philosophie) und Jacques Lacan (für die Psychoanalyse), betraten mit ihren geflügelten Sentenzen über das Phänomen des Weiblichen diffiziles Terrain. Derrida dekretierte leichthin und mit ironischem Unterton, die Frau gewähre die Idee, sei also so etwas wie ein personifiziertes...
Noch immer ist Véronique Gens die Inkarnation der französischen Barock-Oper. 2021 hatte sie unter dem Titel «Passions» ein Recital-Album vorgelegt, das den Königinnen im Œuvre Lullys, des Begründers der Tragédie en musique, galt. Jetzt folgt, wiederum orchestral und chorisch brillant unterfüttert vom Ensemble Les Surprises unter der Leitung von Louis-Noël Bestion...
