Gott, wo bist du?

Barbora Horáková findet für Poulencs «Dialogues des Carmélites» in Prag stimmige Metaphern, Hermann Bäumer die dazu passenden zauberischen Klangbilder

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Nein, dieses klingende «Bildnis» ist überhaupt nicht bezaubernd schön, es ist erschreckend finster, nahezu apokalyptisch. Und war an der Staatsoper Prag noch nie zu bestaunen – Poulencs «Dialogues des Carmé-lites» erleben an diesem Maiabend ihre szenische Erstaufführung. Während das vollbesetzte, von Hermann Bäumer angeführte Orchester des Hauses im Pulk durch den Saal «schreitet», unaufhaltsam, mächtig-erhaben, saust das Fallbeil hinab, immer wieder, wie aus dem Nichts, uneinsichtig, tödlich scharf. Und historisch informiert.

Das Massaker an jenen 16 französischen Karmelitinnen, die nichts anderes wollten, als gottgefällig zu sein, hat es tatsächlich gegeben – am 17. Juli 1794, zu einem Zeitpunkt, da die Französische Revolution ihre Ideale längst verloren hatte und nur noch aus blank-blutigem Terror bestand. Gott war abwesend an diesem Tag, daran konnte selbst die posthume Heiligsprechung der Opfer im Dezember 2024 durch Papst Franziskus nichts ändern. Der Tod ist nicht heilig, er ist ein Tief- und Endpunkt, eine unabänderliche, absurd-banale ontische Aporie. Aber in diesem Fall traf er völlig Unschuldige.

Regisseurin Barbora Horáková, Bühnenbildnerin Ines Nadler und ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Jürgen Otten

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