Königliche Seelen
Noch immer ist Véronique Gens die Inkarnation der französischen Barock-Oper. 2021 hatte sie unter dem Titel «Passions» ein Recital-Album vorgelegt, das den Königinnen im Œuvre Lullys, des Begründers der Tragédie en musique, galt.
Jetzt folgt, wiederum orchestral und chorisch brillant unterfüttert vom Ensemble Les Surprises unter der Leitung von Louis-Noël Bestion de Camboulas, eine CD, die einige königliche Herrscherinnen in den Opern der weitgehend nur den Spezialisten bekannten Nachfolger Lullys, ins Blickfeld rückt – von Jean-Baptiste Stucks «Méléagre» aus dem Jahr 1709 bis zu Antoine Dauvergnes 1763 uraufgeführter «Polyxène» –, ehe der deutsche Weltbürger Gluck und der Italiener Piccinni das französische Musiktheater revolutionierten.
Allen Veränderungen zum Trotz, die die klassische Tragédie en musique nicht zuletzt durch Rameau im 18. Jahrhundert erfuhr, blieb der kategoriale Unterschied zur italienischen Opera seria, nämlich die Dominanz der melodischen Textdeklamatorik gegenüber dem melomanen Belcanto, stets gewahrt. Wo die Italiener ein einziges Gefühl, einen einzigen Affektausbruch gleichsam zum musikalischen Monument einfrieren, folgen die Franzosen den Widersprüchen ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Uwe Schweikert
Immerhin diese Frage klärt die Regie: Was passiert eigentlich mit den Menschen im Umfeld der Hauptfigur? Mit denjenigen, die ständig auf Tuchfühlung sind mit der Kranken, manchmal auf Hautkontakt wie der unglückselige Alfredo. Letzterer, hohlwangig, blass und mit Augenringen, führt im letzten Bild vor: Er hat sich angesteckt. Andere auch. Aber eigentlich tut das...
Lullys «Bellerophon» von 1679, wo der Held die dreigestaltige Chimäre in einer spektakulären Flugaktion auf dem Wunderpferd Pegasus – ein Triumph der Bühnenmaschinerie – besiegt, hatte sich ein Jahr lang in Paris auf der Bühne gehalten und wurde auf königlichen Wunsch im Januar 1680 in dessen Residenz in Saint-Germain-en-Laye neu produziert, wenige Wochen vor der...
JUBILARE
Am 30. Juli wird der Dirigent Moshe Atzmon 95 Jahre alt. Atzmon, ursprünglich Móse Grószberger, begann seine musikalische Ausbildung in seiner Geburtsstadt Budapest. 1944 verließ er mit seiner Familie Ungarn und wanderte nach Israel aus. In Tel Aviv und Jerusalem studierte Atzmon Cello und Horn. Zusätzlich absolvierte er eine Dirigentenausbildung. Weitere...
