So will es der Prophet

Bad Ischl widmet sich mit Leo Falls «Rose von Stambul» östlichen wie westlichen Geschlechterzwängen

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«Von Reformen, ganz enormen, träumen wir am Bosporus»: Nein, das ist nicht das neueste Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf Recep Tayyip Erdogan, sondern die Forderung aus einem Istanbuler Damensalon des Jahres 1916. Obwohl die türkische Oberschicht in Leo Falls «Die Rose von Stambul» längst westlich denkt und empfindet, bedient man in Sachen Geschlechterverhältnis höchst widerwillig die islamischen Konventionen: Damen hinter Schleiern und Gittern, arrangierte Ehen. Braut und Bräutigam dürfen sich vor der Hochzeit nicht sehen, denn «so will es der Prophet».

Doch Konja Gül, schön, klug und stark, wehrt sich. Denn statt des ihr bestimmten Ehemanns Achmed Bey liebt sie den Schriftsteller André Lery, der für die Emanzipation der türkischen Frau kämpft. Was sie nicht weiß: Lery ist niemand anderes als Bey, der sich solche Dinge nur unter Pseudonym zu schreiben traut.

Mitten im Ersten Weltkrieg, da Österreich-­Ungarn mit dem Osmanischen Reich verbündet war, geriet das Stück zum Welterfolg. Das Lehár Festival Bad Ischl macht es in diesem Jahr erneut hörbar. Dass es dort immer wieder unbekannte Operetten zu entdecken gab, ist auch ein Verdienst von Michael Lakner: Dreizehn Jahre lang war ...

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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Michael Stallknecht

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