Aus dem Leben eines Taugenichts
Mich treiben heut’ beim Frühstück zwei ganz große Fragen um. 1) Wenn Donald Trump beim Bad im Selbstbräuner zu ertrinken drohte, würde ich ihn retten? 2) Was ist eigentlich heutzutage der Sinn und Zweck von Festivals? Antwort 1 lautet nein. Antwort 2 ist kompliziert.
Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass Großbritanniens ältestes Festival – Three Choirs – ins Leben gerufen wurde, um für die Chöre von Gloucester, Worcester und Hereford Geld ranzuschaffen, da ging’s um hübsche Profite. Steht heute natürlich nicht mehr im Mission Statement.
Später entwickelten sich die Festivals, wie wir alle wissen (beziehungsweise hoffen), zu etwas anderem. Zu einer Gelegenheit, Musik und Kunst an einem besonderen Ort zu huldigen. Vor der Erfindung von Schnellbahnstrecke und Billigflug war die Anreise mühselig. Im Umkehrschluss kam man auch nicht so leicht wieder davon. Ein guter Grund, sich richtig einzulassen. Auf seltene Stücke und mutige Produktionen, die sich im Repertoirebetrieb schwer rechtfertigen ließen.
Ich bin meine gesamte Karriere hindurch bei Festivals aufgetreten. Ein paar Wochen am Strand von Aldeburgh den Wellen beim Kieselwälzen lauschen? Zwei Monate ins weiße Licht der Provence ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Christopher Gillett
Anfang August hat der Deutsche Bühnenverein mal wieder Zahlen veröffentlicht, die sogenannte Werkstatistik. Die Saison 2014/15 nach Sparten sortiert, in Tabellen quantifiziert, auf 416 Seiten. Neue Einsichten? Nicht wirklich. In der Oper liegen die üblichen Verdächtigen vorn. Allerdings hat Mozart diesmal die Chart-Krone an Verdi verloren. Mit 124...
Er musste sich räuspern, dann brach ihm fast die Stimme weg. Auf diesen Moment habe er 27 Jahre lang gewartet, sagte Oswald Georg Bauer, als seine «Geschichte der Bayreuther Festspiele» im Juli in Haus Wahnfried vorgestellt wurde. 27 Jahre hat er an diesem Werk gearbeitet – das ist in etwa so lange, wie Wagner für den «Ring» brauchte. Der Auftrag kam 1989 von...
Die Bregenzer Programm-Maximen gelten wie eh und je: draußen am Bodensee vor bis zu 7000 Besuchern die massentaugliche, gleichwohl geschmackvoll-seriöse Opern-Show, drinnen im Festspielhaus die Uraufführung oder der Fund. Unter freiem Himmel wird diesmal «Turandot» wiederholt, die Puccini-Erkundung des Regisseurs und Bühnenbauers Marco Arturo Marelli, samt...
