Aus dem Leben eines Taugenichts
Mich treiben heut’ beim Frühstück zwei ganz große Fragen um. 1) Wenn Donald Trump beim Bad im Selbstbräuner zu ertrinken drohte, würde ich ihn retten? 2) Was ist eigentlich heutzutage der Sinn und Zweck von Festivals? Antwort 1 lautet nein. Antwort 2 ist kompliziert.
Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass Großbritanniens ältestes Festival – Three Choirs – ins Leben gerufen wurde, um für die Chöre von Gloucester, Worcester und Hereford Geld ranzuschaffen, da ging’s um hübsche Profite. Steht heute natürlich nicht mehr im Mission Statement.
Später entwickelten sich die Festivals, wie wir alle wissen (beziehungsweise hoffen), zu etwas anderem. Zu einer Gelegenheit, Musik und Kunst an einem besonderen Ort zu huldigen. Vor der Erfindung von Schnellbahnstrecke und Billigflug war die Anreise mühselig. Im Umkehrschluss kam man auch nicht so leicht wieder davon. Ein guter Grund, sich richtig einzulassen. Auf seltene Stücke und mutige Produktionen, die sich im Repertoirebetrieb schwer rechtfertigen ließen.
Ich bin meine gesamte Karriere hindurch bei Festivals aufgetreten. Ein paar Wochen am Strand von Aldeburgh den Wellen beim Kieselwälzen lauschen? Zwei Monate ins weiße Licht der Provence ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Christopher Gillett
Eine Schafsherde trippelt auf die Kirche zu. Noch ahnt die Gemeinde kaum, wie ihr geschieht. Doch der Zuschauer weiß: alles auf Anfang! Die feine Gesellschaft, die gerade erst mit einer Messe ihre Befreiung aus der Villa gefeiert hat, sitzt schon wieder fest.
So endet Luis Buñuels Film «El ángel exterminador» (1962). Durch die Salzburger Gassen traben bloß...
Natürlich darf Shakespeare im Jubeljahr auch beim Glyndebourne Festival nicht fehlen: Er bekam mit «Béatrice et Bénédict» eine prominente Position im Programm. Berlioz’ letzte Oper – eine Version von «Viel Lärm um nichts» – kam 1862 in Baden-Baden heraus. Sie wird zwar gelegentlich aufgeführt, doch im Repertoire etablieren konnte sie sich bislang nicht. Auf dem...
Der bei Con Brio erschienene Band «Wahnfried. Das Haus Richard Wagners» ist keineswegs, wie man vermuten könnte, ein Katalog der aktuellen Dauerausstellung samt entsprechender Einführung. Sven Friedrich, der amtierende Leiter des Museums, kommt gar nicht zu Wort. Die Herausgeber Markus Kiesel und Joachim Mildner suchen stattdessen die Außenperspektive – durchaus in...
