Aus dem Leben eines Taugenichts
Mich treiben heut’ beim Frühstück zwei ganz große Fragen um. 1) Wenn Donald Trump beim Bad im Selbstbräuner zu ertrinken drohte, würde ich ihn retten? 2) Was ist eigentlich heutzutage der Sinn und Zweck von Festivals? Antwort 1 lautet nein. Antwort 2 ist kompliziert.
Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass Großbritanniens ältestes Festival – Three Choirs – ins Leben gerufen wurde, um für die Chöre von Gloucester, Worcester und Hereford Geld ranzuschaffen, da ging’s um hübsche Profite. Steht heute natürlich nicht mehr im Mission Statement.
Später entwickelten sich die Festivals, wie wir alle wissen (beziehungsweise hoffen), zu etwas anderem. Zu einer Gelegenheit, Musik und Kunst an einem besonderen Ort zu huldigen. Vor der Erfindung von Schnellbahnstrecke und Billigflug war die Anreise mühselig. Im Umkehrschluss kam man auch nicht so leicht wieder davon. Ein guter Grund, sich richtig einzulassen. Auf seltene Stücke und mutige Produktionen, die sich im Repertoirebetrieb schwer rechtfertigen ließen.
Ich bin meine gesamte Karriere hindurch bei Festivals aufgetreten. Ein paar Wochen am Strand von Aldeburgh den Wellen beim Kieselwälzen lauschen? Zwei Monate ins weiße Licht der Provence ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Christopher Gillett
«Wagners Leben ist so oft erzählt worden, dass es nicht mehr erzählbar ist.» Das ist kein Stoßseufzer aus dem Jubiläumsjahr 2013, in dem zu Richard Wagners 200. Geburtstag erwartungsgemäß eine erhebliche Welle an (auch unerheblicher) Literatur über uns hereinbrach. Nein, Carl Dahlhaus urteilte so vor 45 Jahren in der Einleitung zu seinem Band über die Musikdramen....
Eigentlich haben Szene und Musik bei den Bayreuther «Parsifal»-Aufführungen nur selten zusammengepasst. Die Diskussion setzte schon wenige Jahre nach der Uraufführung ein, als Felix Mottl das Dirigat von Hermann Levi übernahm und damit – so hörten es jedenfalls die Antisemiten, darunter Witwe Cosima – das Stück insgesamt neu beleuchtete. Hans Knappertsbusch hasste...
Stört es Sie, dass viele Politisches zu Israel von Ihnen hören wollen?
Das war anfangs so und für mich sehr schwer. Ich mag vieles an diesem wunderbaren Land, aber ich habe auch mit vielen Dingen Probleme. Ich fühle mich als Teil der Opposition. Aber so kann man eigentlich nur in Israel selbst auftreten, nicht außerhalb. Also spreche ich lieber über soziale Projekte...
