Sehen, was man schon hört

Messiaens «Saint François» in der Elbphilharmonie nervt mit optischer Verdopplung

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Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und Zwitschern».

Olivier Messiaen, der Katholik, Komponist und Ornithologe, eröffnet den zweiten Akt seiner Oper «Saint François d’Assise» just mit einer Klangvision von La Verna, schickt einen singenden Engel auf den Pfad zur Klosterpforte, wo er den Franziskanern eine Frage nach der Vorsehung stellt.

In der Hamburger Elbphilharmonie, wo Kent Nagano nun die «Franziskus-Szenen» seines einstigen Mentors mit der (Überzeugungs-)Kraft kontemplativer Konzentration dirigierte und so vollkommen in seinem musikalischen Element aufzugehen schien wie sonst selten, da bekommt das Publikum zum assoziativ aufgeladenen Klangbild auch noch genau das zu sehen, was es schon hören darf. In optischer Verdoppelung werden blühende Landschaften des italienischen «cuore verde» namens Umbrien eingeblendet, die farbigen Fresken der Ober- und Unterkirche von ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Peter Krause

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