Sehen, was man schon hört
Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und Zwitschern».
Olivier Messiaen, der Katholik, Komponist und Ornithologe, eröffnet den zweiten Akt seiner Oper «Saint François d’Assise» just mit einer Klangvision von La Verna, schickt einen singenden Engel auf den Pfad zur Klosterpforte, wo er den Franziskanern eine Frage nach der Vorsehung stellt.
In der Hamburger Elbphilharmonie, wo Kent Nagano nun die «Franziskus-Szenen» seines einstigen Mentors mit der (Überzeugungs-)Kraft kontemplativer Konzentration dirigierte und so vollkommen in seinem musikalischen Element aufzugehen schien wie sonst selten, da bekommt das Publikum zum assoziativ aufgeladenen Klangbild auch noch genau das zu sehen, was es schon hören darf. In optischer Verdoppelung werden blühende Landschaften des italienischen «cuore verde» namens Umbrien eingeblendet, die farbigen Fresken der Ober- und Unterkirche von ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Peter Krause
Im immersiven Musiktheater liegt für Heinrich Horwitz immer auch eine Überforderung. Das Publikum, erklärt der Regisseur, werde aus der Komfortzone geholt, müsse sich selbst in der Aufführung verorten, nicht nur geistig, sondern auch körperlich einsteigen und eine eigene Perspektive suchen. Das koste Überwindung, biete aber die Chance einer eigenständigen...
Sei mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können!» Die Devise des Buddenbrook-Patriarchen, die er an die kommenden Generationen weiterreicht, klingt bei dessen Schöpfer so, als wolle der Hausherr ein Kaufmann mit Anstand sein. In der Oper von Ludger Vollmer («nach Thomas Mann») wird sie statt einer Ouvertüre...
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