Editorial 7/24
Leporello, Don Giovannis emsig-empathischer, nur zuweilen sozial erboster Diener, kannte das Handy nicht. Er führte Buch. Und das so penibel, dass er imstande war, sämtliche Opfer des erotischen Vergifters aufzulisten. In seiner Register-Arie, die kaum zufällig in der Jagd-Tonart D-Dur steht, berichtet Leporello Donna Elvira en détail davon. In Italien waren es 640, im kälteren Deutschland nur 231, in Frankreich 100 und in der Türkei 91.
Und sogar die gesellschaftliche Stellung der Damen listet Leporello auf: Contadine, cameriere, cittadine, contesse, baronesse, marchesane, principesse – Don Giovanni nahm sie alle. Ein Wunder, dass die sichtlich verblüffte Elvira nicht in Ohnmacht fällt.
Ob François-Xavier Roth, Generalmusikdirektor der Oper Köln, Kapellmeister des Gürzenich-Orchesters, Principal Guest Conductor des London Symphony Orchestra und designierter Chefdirigent des SWR-Symphonieorchesters, es dem wackeren Diener nachtat, ist nicht überliefert. Fakt aber ist, dass er sein Mobiltelefon eifrig und seit Langem dazu nutzte, um erst schmeichelhafte, dann schlüpfrige Textnachrichten vor allem an Musikerinnen zu versenden, die hier und da darin kulminierten, dass Roth, war er ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
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