Seelenräume
Kameras, Mikrofone, roter Teppich, Blitzlichtgewitter: Die Premiere von «La traviata» in Warschau erregt große Aufmerksamkeit bei den lokalen Medien und bei der Politik- und Kulturprominenz der Hauptstadt. Kein Wunder: Zwar kann die Opera Narodowa in dieser Spielzeit stolze dreizehn Premieren vorweisen, darunter ein Ballett über Kurt Weill und die polnische Erstaufführung von Xenakis' «Oresteia». Das Kernrepertoire allerdings ist «nur» mit vier neuen Aufführungen vertreten. Der Fokus liegt also auf dieser Premiere.
Regie führt Mariusz Trelinski, der «verlorene Sohn», der 2008 zum zweiten Mal in seiner Karriere Künstlerischer Leiter des Hauses wurde.
Der Abend wird dann allerdings zum Triumph für zwei andere polnische Künstler. Aleksandra Kurzak, die auch an der Met, der Scala und an Covent Garden singt, schöpft als Violetta aus einem nie versiegenden, in allen Lagen blühendem Power-Sopran – so sehr, dass sie in dieser Rolle fast ein bisschen unglaubwürdig wirkt. Eine verzärtelte, an Schwindsucht leidende Frau ist sie jedenfalls nicht, eher eine Königin der Nacht, die noch kurz vor ihrem Ende die Kraft hat, ein zornig-aggressives «zu spät» zu bellen, Stühle um- und Schuhe ...
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