«Ich war so eine richtige k. u. k.-Mischung»

Sena Jurinac, geboren 1921, kam 1944 aus Zagreb an die Wiener Staatsoper. Dort gehörte sie zum legendären Mozart-Ensemble und wurde zentrale Sängerin des «Rosenkavalier» (in dem sie sowohl den Octavian wie die Marschallin sang). Die Bandbreite ihres Rollenspektrums reichte von Fidelio und Mimì bis zu Jenufa und wird von Gesamtaufnahmen nur teilweise dokumentiert. Nach dem Ende ihrer Bühnenlaufbahn wurde sie eine gefragte Lehrerin. Sena Jurinac lebt heute in der Nähe von Augsburg.

 

Frau Jurinac, Sie rauchen?
Ja. Erich Kunz hat mich zwar einmal so lange gepiesackt, bis ich g’sagt hab: «Also gut, ich höre auf!» Ich hab dann zehn Jahre nicht geraucht, während der Erich nach drei Tagen sofort angefangen hat. Dann hab ich auch wieder begonnen. So a bissele. Julius Patzak hat nach jeder Arie von der Bühne weg geraucht. «Jussi, du rauchst?», war selbst ich erstaunt. Er sagte: «Naa, i sing mi ein.»

In Wien hießen Sie immer «die Sena». Mit scharfem «S». Haben Sie es gern gehört?
«Das ist die mit dem schweren Namen», hat es immer geheißen.

«De Jurenatsch» haben sie auch gesagt. Eigentlich wird es «Jurínac» ausgesprochen. Mit c wie Caesar. Und ich heiße in Wirklichkeit mit Vornamen Sebrenka. Mein Vater hatte seine Eltern im kroatischen Varasdin. Sein Vater wollte allerdings von ihm nichts wissen, weil er eine Österreicherin geheiratet hatte. Das war nach dem Zusammenbruch der Monarchie nicht so willkommen. Dann ist er nach Travnik mitten in Bosnien versetzt worden. Dort bin ich zur Welt gekommen.

Nicht als Sena.
Mein Taufpate war Rechtsanwalt und hat eines Tages eine Zigeunerin verteidigen müssen, die gestohlen hatte. Sie hieß Sebrenka. Das hat ihm gut gefallen. Solange ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Retrospektive, Seite 62
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mama wird’s schon richten

So machen’s eben doch nicht alle! Noch bevor Lorenzo da Ponte in «Così fan tutte» die weibliche Treue grundsätzlich infrage stellte, entwarf er in «Una cosa rara» ein Gegenbild: Es sei zwar sehr selten, aber es komme doch vor, dass «bellezza ed onestà» zur Synthese finden. Das gute Beispiel gibt die Bäuerin Lilla, die allen Anfechtungen zum Trotz ihrem...

Latin Lover

Sie ist noch immer weit verbreitet, die Vorstellung von Don Giovanni als dem genialischen, im Gefühl seiner Omnipotenz gegen göttliches Gesetz aufbegehrenden Verführer: ein Rollenbild, das nicht zuletzt von Ausnahmesängern wie Cesare Siepi und George London geprägt wurde. Die junge Regisseurin Andrea Moses sieht das ganz anders. In ihrer Bremer Neuinszenierung von...

Das Kreuz mit der puritanischen Tradition

Die «Vereinigten Staaten» existierten offiziell noch gar nicht, da verstand sich Neu-Englands Metropole Boston schon als Kulturhauptstadt. Nicht nur schlossen sich zahlreiche lokale Universitäten der dortigen, 1636 gegründeten Harvard University an; die Stadt brachte überdies eine genuin amerikanische Literatur und Philosophie hervor und begründete die...