Schutz unter dem Regenbogen
Carmela, zehn Jahre alt, ist Fremde in einem fremden Land. Sie wurde zwar in Palermo geboren, als Tochter ghanaischer Eltern, doch die italienische Staatsbürgerschaft bleibt ihr verwehrt. Dass das Mädchen sich trotzdem heimisch fühlt, hat mit einer Musikinitiative zu tun, dem so genannten Regenbogenchor. Vor sechs Jahren ist er am Teatro Massimo gegründet worden, um Migrantenkinder zu unterstützen. «Der Regenbogenchor ist etwas Besonderes, wir kommen alle aus verschiedenen Ländern», sagt Carmela, um die sich nun ein sizilianisches Ehepaar kümmert.
«Wir sind viele Stimmen, die zu einer einzigen, noch schöneren Stimme werden.»
Beim ersten Konzert nach dem Lockdown, im August auf der Freiluftbühne des Teatro di Verdura, trugen junge Talente aus den Philippinen, Mauritius, Bangladesch und anderen Nationen Musik von Ennio Morricone und Stücke aus Bizets «Carmen» vor. Mira hat auch mitgemacht. Als Miras Mutter Ikuka im Kimono zum Konzert erschien, waren alle Blicke auf sie gerichtet. Eine solche Feier kultureller Vielfalt steht in schroffem Kontrast zu dem oft alles andere als erfreulichen Alltag der Migranten in Palermo. «Die Italiener meinen, sie sind Boss. Wenn deine Haut eine andere ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 56
von James Imam
Beethoven und kein Ende im Jubiläumsjahr, das musikalisch hauptsächlich virtuell stattfand. Umso heftiger schlug die Buchbranche zu. Besonderes Interesse weckte die Biografie des Stuttgarter Bratschisten und Musikantiquars Ulrich Drüner, der 2016 mit einem denkmalstürzenden Wagner-Buch Aufsehen erregt hatte. Jetzt versucht er Beethovens «komplexe Persönlichkeit»...
Filigran intime, von einem Streichquintett intonierte Kammermusik erklang zu Beginn der ersten Eigenproduktion der Staatsoper Stuttgart nach dem ersten Corona-Lockdown aus dem Orchestergraben – Musik irgendwo angesiedelt zwischen Verdis «Aida»-Vorspiel und dem Sextett aus Richard Strauss’«Capriccio». Es war der Auftakt zu einer ungewöhnlichen, ursprünglich schon...
Kurz war er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber schön. Intensiv, gedankenreich, lustvoll. Zugleich ähnelte er ein wenig jener blassblauen Frauenhandschrift, die weiland den Werfel’schen Sektionschef Leonidas so tief bewegte: Als der Brief Vera Wormsers eintrifft, ist ihre Handschrift kaum mehr zu entziffern – und doch so präsent wie eine wehmütige Erinnerung....
