Arg lückenhaft
Beethoven und kein Ende im Jubiläumsjahr, das musikalisch hauptsächlich virtuell stattfand. Umso heftiger schlug die Buchbranche zu. Besonderes Interesse weckte die Biografie des Stuttgarter Bratschisten und Musikantiquars Ulrich Drüner, der 2016 mit einem denkmalstürzenden Wagner-Buch Aufsehen erregt hatte.
Jetzt versucht er Beethovens «komplexe Persönlichkeit» zu enträtseln, dabei «der Physis den Vorrang gegenüber allem Ideologischen einzuräumen» und verspricht recht vollmundig, als Erster «Beethovens Kreativität, bisher weitgehend ein Buch mit sieben Siegeln, mit der größtmöglichen Intensität» zu erforschen. Herausgekommen ist bei Letzterem ein eher mageres, spekulativ zusammengebackenes Kapitel über Beethovens Schaffenspsychologie. Vom unablässigen, in den zahllosen Skizzenbüchern dokumentierten Ringen um das Werk – Kunst ist Arbeit! – liest man dagegen wenig.
«Die Kunst fängt genau da an, wo das Leben aufhört.» Drüner zitiert Wagners ernüchternde Feststellung, hält sich aber nicht an die Erkenntnis, dass das Leben eines Künstlers sein Werk ist, sondern neigt bei dessen Entstehen und Verständnis zu vulgärbiografischer Kausalität. Originell ist allerdings der Weg, den er ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (10. November) angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats Dezember 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
M...
Erzählt wird eine Geschichte von nachgerade biblischer Archaik: Beim Ansturm der Tataren, wir schreiben das Jahr 1243, flehen die Bewohner der Stadt Kitesh zu Gott, er möge das Schicksal wenden und sie vor dem sicheren Tod bewahren. Der Höchste zeigt sich gnädig gestimmt und lässt die Stadt samt Einwohnerschaft kurzerhand im Erdboden versinken – alle sind gerettet!...
Das Outfit ist, nun ja, gewagt. Vor allem, wenn man bedenkt, aus welcher Zeit es stammt. Die 1950er-Jahre in Deutschland waren noch nicht unbedingt von jenem freien Geist geprägt, den die Generation danach etablieren sollte. Das Abendkleid jedoch, das die junge Frau mit dem verschmitzten Lächeln trägt, kündet von der kommenden Avantgarde: weitgeschwungen in der...
