Schuldenwolken über dem Maggio Musicale
Italiens 1933 gegründetes Vorzeigefestival kann stolz sein auf seine state of the art-Spielstätte, das Teatro di Maggio. Doch der Preis war hoch für den Multiplex, der einen Hauptsaal (1800 Plätze), eine Konzerthalle (1100) sowie eine Freiluft-Cavea (2000) umfasst. In den sechs Baujahren bis 2014 schossen die Kosten von 80 auf 270 Millionen Euro hoch, wuchs das Defizit gewaltig, wurden Arbeitsplätze eingestampft, Manager ausgewechselt, wüteten Streiks und politisches Tauziehen.
Inzwischen schwimmt das musikalische Schlachtschiff wieder.
Seit Mai 2017 ist ein neuer Skipper am Ruder. Um das Festival wieder auf Kurs zu bringen, holten der Florentiner Bürgermeister und das Kultusministerium den Venezianer Cristiano Chiarot in die Stadt. Hinter der bulligen, kleinen Gestalt des Mittsechzigers verbirgt sich ein Universalgelehrter: Bibliophil ist der neue Intendant, ein Fachmann für Archive. Aber auch – das bewies er schon an La Fenice – ein Mann mit Händchen für technologische Erneuerung: «Als lebendiges Wesen muss Theater auf der Höhe der Zeit bleiben. Neben Radio- und TV-Mitschnitten senden wir deshalb auch Livestreams in einer Facebook-Loge namens #neverlandOF. Wobei die virtuelle ...
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Sergej Prokofjew hat seinen «Feurigen Engel» nie zu sehen bekommen. Als er 1923 in Bayern, frisch beeindruckt vom Passionsspiel Oberammergau, der Oper den letzten Schliff verpasste, fragte ihn Wladimir Mjaskowski besorgt, ob die Sache «nicht irgendwie zu religiös» sei. Prokofjew verneinte und hob die «orgiastische Finsternis» des Werkes hervor, was auch nicht...
Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine...
Herr Pérez, wie kamen Sie zur Musik?
Ich begann als Autodidakt, als einziger Musiker in der Familie. Mein Vater war Grafikdesigner, meine Mutter Yogalehrerin. Schon im frühesten Alter erkannten meine Eltern, dass ich eine besondere Neigung für klassische Musik hatte. Bevor ich Klavier spielen lernte, konnte ich bereits Noten lesen. In den Buchhandlungen an der...
