Entwurzelt
Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine größte Spielwiese. 2012 kam seine «Solaris»-Oper in Bregenz heraus (siehe OW 9-10/2012).
Man muss sich diese amorphe Klanglandschaft in Erinnerung rufen, um zu erkennen, wie weit entfernt davon eine andere Vertonung des Stoffes liegt. Dai Fujikura dampfte mit Librettist Saburo Teshigawara den Vorlage-Roman von Stanislaw Lem auf Diskursives ein. Vordringlich war nicht das instrumentale Ausmalen einer fremden Welt; das japanische Duo hielt sich an Lems Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn man mit allzu Bekanntem, mit den Fleisch gewordenen Erinnerungen und Spiegelungen der eigenen Psyche konfrontiert wird? Wie echt sind diese Imaginationen? Haben sie gar ein Existenzrecht? Drei Figuren verhandeln das mit erklecklichem Textballast, und der zieht eine ebenso kurzatmig-kleinteilige Musik nach sich.
Nach der Uraufführung in Paris ...
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Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener...
Mit breiter Brust steht er da, überblickt den Marktplatz: der Bronze-Händel. In Halle nennt man ihn den größten Sohn der Stadt. Und feiert ihn seit 1922 mit den Festspielen. Ministerpräsident Reiner Haseloff schwärmt stolz von diesem Sohn, dessen Ausstrahlung in die Welt, schwärmt von der Kulturstadt Halle. Während seiner Eröffnungsrede steht er auf der Bühne des...
Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....
