Schöne, leere Welt

Robert Wilsons weit gereiste ­«Madama Butterfly» kommt nun auch ins Heimkino

Opernwelt - Logo

Vor gut dreizehn Jahren bot sie in der Pariser Opéra Bastille zum ersten Mal dem Publikum ihre bleich geschminkte Stirn: Robert Wilsons aufwändig-minimalistische und hoch­gradig stilisierte «Madama Butterfly». Eine Produktion, um die sich bald Häuser rund um den Globus reißen sollten. Bis dato wurde die Inszenierung des texanischen Bildtheatermagiers unter anderem in Bolog­na (1996), im japanischen Hamamatsu (1999), in Venedig (2001) und in Los Angeles (2004) nachgespielt.

Und wer dieses Angebot an Live-Performances verpasste, kann sich nun via DVD daheim einen Eindruck von der zeitlos-abstrakten, zeremoniellen Eleganz der Wilson’schen Puccini-Exegese verschaffen.
Die beiden Silberscheiben dokumentieren eine Aufführung der Nederlandse Opera, die 2003 in Amsterdam aufgezeichnet wurde. Selbst auf dem TV-Schirm vermittelt sich jene rätselhafte, nur aus Licht, Leere und stiller Bewegung komponierte Schönheit, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten wie eine kühle Duftspur durch Wilsons Arbeit zieht. Gewiss, auch die beste Kamerafüh­rung (und sie reproduziert im Fall der «Butterfly» kongenial den radikalen Anti-Aktionismus auf der Bühne – etwa durch den Verzicht auf rasche Fahrten oder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: DVDs, Seite 53
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dvorák: Rusalka

Dvoráks zeitgleich mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» entstandene vorletzte Oper «Rusalka» ist wie die Opern der beiden jüngeren Komponisten ein Kind des musikalischen Fin de Siècle. Heinz Lukas-Kindermann verstärkt diese alptraumhaft verstörenden Züge in seiner Münsteraner Inszenierung und gibt dem Wunschtraum der von der schnöden...

Abenteuer moderne Musik

Ein Kommunikationsgenie wie den britischen Dirigenten Simon Rattle hat es in der klassischen Musikhemisphäre wohl seit den Tagen Lenny Bernsteins nicht mehr gegeben. Dass Rattle (nicht erst als Nachfolger Claudio Abbados am Chefpult der Berliner Philharmoniker) zu den Top Ten der stabführenden Zunft aufschoss, ist nicht nur auf sein stets frisch wirkendes...

Auf DVD-Format eingedampft

Souvenir de Verone – das ist der von Warner gewählte Marketing-Titel auf dem Paket von sechs für den DVD-Gebrauch aufbereiteten Mitschnitten von Opernaufführungen in der Arena von Verona. Alle Produktionen stammen aus den achtziger Jahren: Verdis «Attila», «Nabucco», «Il trovatore», «Aida» und «Otello» samt Puccinis «Tosca». Ein willkommenes Mitbringsel für die...